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Literatur Nobelpreisträgerin gibt Einblicke in ihr Schaffen

Neue Essay-Sammlung von Olga Tokarczuk

Das neue Buch der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk ist am Donnerstag in ihrem Heimatland erschienen. Der Band „Der liebevolle Erzähler“ (Czuly Narrator) enthält sechs Essays und sechs Vorträge, darunter auch Tokarczuks Nobelpreisrede, die titelgebend für die polnische Ausgabe ist. „Dieses Buch verdanke ich im gewissen Sinne der Pandemie. In der Zeit des Lockdowns hatte ich das Bedürfnis, mein bisheriges essayistisches Schaffen zu ordnen, nicht nur aus dem vergangenen Jahr, sondern auch aus den Jahren davor“, schreibt Tokarczuk im Vorwort.

In dem Band gibt Tokarczuk auch Einblicke hinter die Kulissen ihres künstlerischen Schaffens – welches ihr nicht immer leicht fällt. So heißt es, „das Schreiben ist die Hölle, eine ständige Tortur, ein Schmoren in Teer – es ermüdet, macht den Rücken kaputt (...) lässt einen vor Ärger über unfreundliche Rezensionen in die Finger beißen.“

Gleichzeitig sei das Schreiben für sie jedoch auch der Himmel, bekennt sie. „Es gibt das Gefühl von Macht, macht das Leben zum ständigen Ausüben eines Hobbys (...) zwingt einen zum Nachdenken und dazu, sich vielen Dingen von einer untypischen Seite her zu nähern.“

Nachgereichte Auszeichnung 2019

Der Kampa Verlag, bei dem Olga Tokarczuks Bücher in deutscher Übersetzung erscheinen, hatte bereits im Januar ihre Nobelpreisrede gemeinsam mit dem Essay „Wenn Übersetzer die Welt retten“ veröffentlicht. Dieser Essay ist auch Bestandteil des nun in Polen erschienenen neuen Buchs. Eine Veröffentlichung der übrigen Essays auf Deutsch sei geplant, sagte eine Sprecherin des Verlags. Vor kurzem waren Tokarczuks Erzählband „Die grünen Kinder“ sowie der Roman „Letzte Geschichten“ auf Deutsch erschienen.

Der Polin war im vergangenen Jahr rückwirkend der Nobelpreis für Literatur des Jahres 2018 zugesprochen worden. Die Auszeichnung war erst 2019 erfolgt, weil sich die Akademie 2018 nach mehreren Skandalen und damit zusammenhängenden Austritten gegen eine Preisvergabe entschieden hatte. Zusammen mit Tokarczuk wurde der Österreicher Peter Handke ausgezeichnet, der den Preis für das Jahr 2019 zugesprochen bekam. dpa