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Digitalisierung Die Zukunft dringt immer mehr in den Alltag ein / Mögliche Entwicklungen, die das neue Jahrzehnt bereichern könnten

Neue Technologien schaffen das Altgewohnte ab

Archivartikel

REGION.„Siri, bist du eine Frau?“ „Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen: ich habe kein Geschlecht.“ Ein Gespräch mit Siri ist mittlerweile nichts Besonderes mehr. Drohnen, die über unsere Köpfe sausen, sind vielleicht nicht jedem geheuer aber auf dem besten Weg dahin.

In Dubai werden sie schon seit längerem als Taxis eingesetzt. Bis 2030 will das Emirat gar ein Viertel seines Verkehrs auf autonomen Transport umstellen. Die zunehmende Technisierung und gleichzeitige Digitalisierung scheinen unaufhaltsam. Egal ob autonomes Fahren, Smart Home, Industrie 4.0 oder künstliche Intelligenz – Alltag und Beruf werden der Digitalisierung zunehmend unterworfen. Läuft man an einem sonnigen Wochenende durch den Gartenschaupark in Hockenheim, wird man vor Ort Zeuge eines erstaunlichen Phänomens. Das Grün der Umgebung wahrnehmend stehen und laufen hier und dort andere Parkbesucher umher. Das umliegende Grün bleibt ihnen verborgen. Sie blicken wie gebannt auf ihre Smartphones. Dort sehen auch sie ein Grün, jedoch nur das auf ihren Bildschirmen. Sie alle sind auf der Jagd nach neuen Pokemon, die sich im Gartenschaupark tummeln. Die Spieler sind zehn, zwanzig oder auch 50 Jahre alt und lassen sich von einer anderen Realität in den Bann ziehen.

„Wie wollen wir leben?“

Die Augmented Reality, also die erweiterte Realität, die seit einigen Jahren über unsere digitalen Begleiter flimmert, ist längst zur Normalität geworden. Die Digitalisierung ist ein bestimmendes Thema in Politik, Medien und Kunst. „Wie wollen wir leben?“ ist dabei eine oft gestellte Frage, die aufzeigen soll, dass der Verlauf der Geschichte nicht feststeht und weiterhin in unseren Händen liegt. Dabei hat die Zukunft längst begonnen. Noch vor zehn Jahren hätte sich wohl kaum jemand den Raum vorstellen können, den das Smartphone in unserem Alltag einnimmt. Durchschnittlich nutzen wir den kleinen Alleskönner an 2,1 Stunden des Tages – Spitzenzeiten bei unter 30-Jährigen liegen bei mehr als vier Stunden. Auch andere Helfer wie Alexa und Co. drängen immer mehr in unser Leben vor und erweitern die Möglichkeiten, die uns als Mensch außerhalb der digitalen Welt zur Verfügung stünden.

Stadtpläne nur noch digital

Wenn Neues kommt, bleibt Altes auf der Strecke. Der Großteil des Schriftverkehrs läuft schon heute digital ab. Womöglich wird es Briefe in zehn Jahren gar nicht mehr geben. Ein ähnliches Schicksal ereilt Passwörter aller Art. Schon jetzt verfügen viele Geräte über einen Fingerabdruck-Scanner. Auch auf Autos oder Hauseingängen trifft dies vermehrt zu, so dass das klassische „1 2 3 4“als Passwort bald ausgedient haben wird. Ebenso wird man Lexika wie den Brockhaus bald nur noch bei den Wenigsten oder im Antiquariat finden. USB-Sticks als Speichermedium für Informationen haben bald genauso ausgedient. Die unsichtbare Cloud wird all unsere Informationen speichern können. Sie nutzen noch Stadtpläne zur Orientierung im Urlaub? Das Wort Stadtplan wird bald ein Anachronismus sein, Orientierung gibt das Smartphone.

Fast jeder wurde in seiner Schulzeit einst dazu verdonnert, die Tafel nach dem Unterricht zu wischen. Auch dieses Mühsal wird bald der Vergangenheit angehören. Kreidetafeln werden schon jetzt Stück für Stück durch digitale Nachfolger ersetzt. Den Tafeldienst gibt es dann nicht mehr. Auch im eigenen Heim wird sich die Bedienbarkeit von Geräten verschlanken, was durchaus eine Erleichterung sein kann. Sitzt man etwa auf der Couch und will durch das Fernsehprogramm zappen, kommt es schon Mal vor, dass die Fernbedienung unauffindbar ist. Macht nix. Alexa und Co. machen es schon jetzt vor vor. Die meisten Fernsehapparate werden zukünftig mittels Sprachsteuerung oder Gesten bedient werden können.

Apropos Fernsehen. Wessen ganzer Stolz eine DVD- oder Blu-Ray-Sammlung ist, muss jetzt stark sein. Auch Filme und Serien wird es bald nur noch digital geben. Ähnliches gilt für den Geldbeutel, der leerer sein wird und nur noch als Kartenaufbewahrungsort nützt. Die Abschaffung des Bargeldes ist in „greifbarer“ Nähe und scheint unausweichlich. Wer alles Genannte für unnützes Zeug hält oder sich überfordert fühlt, kann seine Fernbedienung natürlich weiterhin behalten, einen USB-Stick nutzen und Wissen aus Lexika ziehen. Letztlich hat die Zukunft aber schon begonnen.

Vor wenigen Tagen lief zu sehr später Stunde ‚Terminator‘ im Fernsehen, eine von unzähligen Dystopien künstlicher Intelligenz. Ist ein solches Szenario reine Fiktion, noch in weiter Ferne oder bereits vorstellbar? Wer weiß. Aktuell sollen Menschen von neuer Technik profitieren und sich vermehrt um sich selbst statt um die Lasten des Alltags zu kümmern. Gibt es dann Einklang und Frieden auf der Welt oder gar keine Mörder mehr? Und wenn doch: Wer mordet? Fragen wir doch Alexa. „Alexa, wer ist der Mörder? „Psychologen sagen, meist jemand aus dem näheren Umfeld. Oder der Gärtner“. chh