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Weinheim Vorstellung des Integrationskonzepts des Kreises / Stadt setzt bei der Erstellung eines eigenen Papiers auf Bürgerbeteiligung

Nicht alles eins zu eins übertragbar

Das Ziel ist klar definiert: Gute Integration ermöglichen, verbunden mit der Teilhabe aller, die in der Stadt leben. Darin ist sich der Internationale Ausschuss einig, doch der Weg dahin ist ein langer. Ein solches Integrationskonzept für Weinheim wird schon lange gefordert, nach der Ankunft der ersten geflüchteten Menschen im Juli 2015 mit immer mehr Nachdruck. Doch bislang ist wenig passiert, zuletzt war es der Ausschuss selbst, der im Dezember 2018 ein aktiveres Handeln forderte. Daraus resultierte die Einladung der Leiterin der Stabsstelle Integration des Landratsamtes Rhein-Neckar, Lisa Hörnig, die am Mittwochabend einen Einblick in das gut 70-seitige Integrationskonzept des Kreises gewährte. Dieses wurde im Juli 2018 vom Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises verabschiedet und gilt als ein lebendiges und dynamisches Papier. Hörnig beschrieb es so: „Den Blick zunächst auf die Geflüchteten zu richten ist richtig und wichtig. Der nächste Schritt ist dann die Ausweitung des Konzepts auf andere Gruppen der Gesellschaft.“

Dass ein solches Konzept einen langen Vorlauf benötigt, zeigt sich beim Blick auf die Entstehung: Erst gab es Workshops mit den Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten im Rhein-Neckar-Kreis, es ging 2017 weiter mit einer großen Integrationskonferenz. In den verschiedenen dafür ausgewählten Gruppen waren Akteure aus dem Haupt- und Ehrenamt, der Wirtschaft, der Verwaltung, der Politik, der Bildung und Geflüchtete selbst eingebunden.

Die Dokumentation der Integrationskonferenz war die Grundlage des Integrationskonzepts, das inhaltlich auf zwei Säulen steht: Zum einen die datenbasierte Einführung in die kreisweite Integrationsarbeit mit der Vermittlung von Basiswissen, zum anderen ein anwendungsorientierter Teil mit konkreten Zielen und Maßnahmen. Zusätzlich zu den Erkenntnissen aus der Integrationskonferenz wurden rund 30 Experteninterviews durchgeführt. Nach den Auswertungen begann die Erarbeitungsphase mit Einbindung der Politik. Anschließend fand noch eine Anhörung von Akteurinnen und Akteuren statt, die ebenso ins Konzept eingeflossen ist.

„Konzept ist ein guter Rahmen“

So viel zur Entstehung des Kreis-Konzepts, das, darin waren sich die Mitglieder des Internationalen Ausschusses einig, nicht eins zu eins auf Weinheim übertragen werden kann. Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner dazu: „Das Konzept des Kreises ist ein guter Rahmen für die Kommune“, an den man sich anlehnen könne, um das Konzept letztendlich auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden zu können. Vor allem auch, da das Kreis-Konzept konkrete Maßnahmen beschreibe.

Für Weinheim ist der Plan, so beschrieb es die Integrationsbeauftragte der Stadt, Ulrike Herrmann, im vergangenen Dezember, dass ein umfassendes Konzept erstellt wird, welches ein „reflexives Diversitäts-Modell“ mit neun Schwerpunktthemen vorsieht, die nahezu alle Lebensbereiche abdecken. Von Anfang an sollen die Bürger daran beteiligt werden und schon bei der Bestandsaufnahme mitwirken.

In Weinheim setzt man nun auf Bürgerbeteiligung, der Auftakt dazu findet am 26. Februar statt. „Weinheim erarbeitet ein Integrationskonzept – gemeinsam sind wir viele“ nennt sich die Veranstaltung, die in der Stadthalle stattfindet. Sechs Themen werden an dem Abend näher beleuchtet und münden im April in Workshops mit Fachleuten und Bürgern. Zudem wurden 50 Einwohner zufällig ausgewählt mit der Bitte, den Prozess zu begleiten. Der Runde Tisch Integration erhält regelmäßige Updates und der Internationale Ausschuss soll die Ergebnisse im Juni oder Juli vorgestellt bekommen.

Parallel dazu hat Erster Bürgermeister Dr. Fetzner einen Schritt eingeleitet, der pragmatisch ist und sich nicht auf ein Konzept verlässt, das seiner Meinung nach vermutlich nicht auf alle Fragen eine Antwort geben kann.

Er lädt nun alle zwei Wochen zu einem Jour-Fixe-Termin ein, an dem die Ausländerbehörde, das Amt für Soziales, Jugend, Familien und Senioren, die Stabsstelle Integration, die Vertreter der Ehrenamtlichen (Arbeitskreis Asyl) und gegebenenfalls die Integrationsmanager teilnehmen. Sein Beweggrund: „Dadurch werden die Kommunikationswege kürzer und die Effektivität steigt.“

Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass sich die handelnden Personen auf Augenhöhe begegnen – egal ob sie haupt- oder ehrenamtlich tätig sind. Denn am Ende sind sie beide von einander abhängig.