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Krimi Martin Walker veröffentlicht den elften Fall seines Chef de Police – „Menu surprise“ heißt das neue Buch

Ohne Bruno geht hier gar nichts

Archivartikel

Dass das Périgord ein Sehnsuchtsort ist, weiß man längst. Vor allem auch dank Martin Walker (Jahrgang 1947). Der Schotte hat seinen Chef de Police, Bruno, in den südwestfranzösischen Landstrich verpflanzt und lässt uns nun zum elften Mal an dessen Einsätzen teilhaben – egal, ob als Polizist oder als Gourmet. Letzteres hat nun folgerichtig den Titel des Romans bestimmt: „Menu surprise“.

In der Tat serviert der Autor und Journalist einmal mehr ein Gericht aus vielerlei Überraschungen, die nicht nur bekömmlich sind, sondern auch auf den Magen schlagen. Denn natürlich enthält Krimi-Kost vor allem eine Konfrontation mit dem Bösen. Und das bringt viel Unruhe ins fiktive Städtchen Saint-Denis. Zunächst scheint alles friedlich, wie meistens. Bruno fiebert mit der von ihm trainierten Damen-Rugby-Mannschaft mit. Es geht um die regionale Meisterschaft und die Berufung einer ihrer Spielerinnen ins Nationalteam. Pamela, Ex-Geliebte und inzwischen gute Freundin, bereitet ihren nächsten Kochkursus vor, Einheimische und Feriengäste erfreuen sich an kulinarischen Köstlichkeiten, historischer Architektur und Kunst sowie an der Landschaft. Selbst als eine tote Frau gefunden wird, die bei Pamela als Feriengast und Kursteilnehmerin gemeldet war, bleibt die Aufregung begrenzt.

Dass Bruno dennoch ein wenig aus dem Gleichgewicht gerät, liegt nicht unbedingt daran, dass er befördert wurde und ein größeres Gebiet zu betreuen hat. Vielmehr führt der Mord an der Frau und – wie sich herausstellt – auch an ihrem Geliebten, zu internationalen Verflechtungen und damit zur Rückkehr von Isabelle, jener Frau, die Bruno vor geraumer Zeit das Herz gebrochen hat, weil sie ihre Karriere dem privaten Glück vorzog. Ja, das Kapitel Isabelle ist noch nicht beendet – weder für Bruno noch für Walker.

Die Vorkommnisse beschäftigen bald auch britische und US-amerikanische Geheimdienste. Ist es möglich, dass das idyllische Périgord Ziel eines terroristischen Anschlags werden soll? Spätestens hier merkt der Leser, dass Walker mehr als nur gefällig schreiben kann. Im anfangs kaum zu erkennenden Konflikt offenbart der Autor weitreichendes politisches Hintergrundwissen und Weitsicht, indem er beispielsweise der militanten katholisch-nationalistischen Gruppe „Neue IRA“ eine Rolle zuschreibt, die zur Entstehungszeit des Buches noch halbwegs Fiktion war, inzwischen aber der Realität sehr nahe kommt.

Neue Wendungen sorgen für Spannung, die immer wieder aufgetischten regionalen Spezialitäten für Entspannung. Und mittendrin Bruno, der gute Mann von nebenan, der sich nebenbei mit einer ungeplanten Schwangerschaft auseinandersetzen, der hier und da helfend einspringen muss und trotz seiner beruflichen Belastung immer wieder Zeit findet für Pferd, Hund und Menschen, die er zum Kochen und Essen einlädt, zum Beispiel zu einem „Menu surprise“.

Es ist – wie gehabt – ein hübscher Mix aus Krimi und behaglicher Unterhaltung. Was der über lange Strecken selbst im Périgord lebende Walker bis zur Vollendung beherrscht, ist die Kunst, (zum Teil selbstgeschaffene) Klischees als außergewöhnlich stimulierende oder bahnbrechende Situationen, stereotype Menschen als unkonventionelle und dynamische Persönlichkeiten darzustellen. Das zu lesen ist Spaß in Reinkultur – und appetitanregend.