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Weinheim Landesbühne Rheinland-Pfalz bringt das Theaterstück „Oskar Schindlers Liste“ auf die Bühne der Stadthalle

Rettung durch grausames Spiel

Archivartikel

„Das Leben ist wie ein Spiel, aber ich werde es gewinnen. Auch wenn ich am Ende alles verlier.“ Es ist einer dieser Sätze, den Autor Florian Battermann seinen Oskar Schindler sagen lässt, der in wenigen Worten das gesamte Leben des Mannes umreißt, der erst durch die bekannte Verfilmung von Steven Spielberg einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Der Mann, der während des Holocaust rund 1100 Juden das Leben rettete, starb am Ende einsam und verarmt in Hildesheim.

Es ist ein anderer Blickwinkel als im Film, aus dem die Schauspieler der Landesbühne Rheinland-Pfalz das Theaterstück „Oskar Schindlers Liste“ auf die Bühne bringen. Aber der ist nicht weniger eindringlich, intensiv und aufwühlend; wenn auch hie und da vielleicht ein wenig zu langatmig und pathetisch. Trotzdem: Die Botschaft kommt an. Die Zuschauer in der Weinheimer Stadthalle klatschen begeistert.

Auffällig viele junge Leute sind diesmal darunter, auch Kinder. Es ist das Jahr 1999 – sechs Jahre nachdem Spielberg seinen vielbeachteten Film gedreht hatte und 25 Jahre nach Schindlers Tod – als auf dem Dachboden eines Hauses in Hildesheim ein Koffer des verstorbenen Schindler auftaucht. In ihm jene Listen und auch Briefe geretteter Juden. Mit der Zeit wird bekannt, was im Schauspiel so eindrucksvoll umgesetzt wird: Schindler ist nicht der unantastbare Held, der allein über allem steht. Stefan Bockelmann verkörpert ihn sehr gut in der Inszenierung von Regisseur Lajos Wenzel: Den Spielertyp, immer auf der Suche nach dem großen Geld, betrügt seine Frau Emilie, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Und er rettet die Juden nicht im Alleingang, sondern gemeinsam mit Emilie und dem ehemaligen jüdischen Eigentümer der Deutschen Emaillewarenfabrik, Abraham Bankier.

Trotz all seiner Eskapaden ist er sympathisch und nonchalant. „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“, tönt es vom Band, als die Zuschauer Schindler das erste Mal kennenlernen. Seine Rolle als Mitarbeiter der deutschen Abwehr unter Admiral Canaris wird beleuchtet. Man lernt ihn kennen als Charmeur und Strippenzieher auf der Suche nach einer neuen Investitionsmöglichkeit.

Böser Gegenspieler

Er hat „nichts gegen Juden, solange sie mir nützlich sind“. Mit dem Einstellen von Bankier wandelt sich der Mann, der immer nur nach Geld, Erfolg und schönen Frauen strebt. „Er musste erst auf die Idee gebracht werden“, sagt Frau Staehr, die 1999 mit ihrem Mann die Listen findet. Die Rahmenhandlung als Stilmittel

„Das kann doch auch dem Führer nicht recht sein“, sinniert Schindler über die Vernichtung der Juden. „So kann es nicht weitergehen.“ Sein großer böser Gegenspieler ist Amon Göth. Armin Riahi verkörpert den SS-Hauptsturmführer in seiner ganzen menschenverachtenden, zynischen Art hervorragend. Wie der aus reiner Willkür vom Balkon aus Juden im Lager erschießt, wie er Schindlers Absichten durchschaut, ihn aber dennoch braucht, damit der ihm mit Schwarzmarktware sein Luxusleben ausstaffiert.

Es ist wie ein Spiel zwischen den beiden, ein grausames, bei dem es um Menschenleben geht. Großartig spielt auch Dimitri Tellis den Abraham Bankier. Er ist erst reicher Fabrikant, dann enteigneter und verfolgter Jude und schließlich der Mann, der Schindler dahin bringt, dass dieser sich mit all seinem Geld und seiner Seele einsetzt für die Rettung so vieler Juden.

Die Liste der Geretteten ist es, die – farblich immer wieder unterschiedlich ins Szene gesetzt – den Hintergrund des eindrucksvollen aber schlichten Bühnenbilds von Tom Grasshof bildet. Kisten, Möbel, Gebilde aus Latten, alles im tristen Grau des Ghettos. Alles verändert sich im schnellen Wechsel. awa