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Sicherheit Fehlen Schranken, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen / Oft Leichtsinn im Spiel

Richtiges Verhalten am Bahnübergang

Archivartikel

Berlin.Mehr als 16 000 Bahnübergänge gibt es in Deutschland. Nur rund sechs von zehn sind aber technisch durch Schranken beziehungsweise Lichtzeichen gesichert – andere dagegen werden nur durch ein Andreaskreuz gekennzeichnet. Die Bahn versucht, die Zahl der Querungen zu senken. Denn kommt es zu Zusammenstößen, haben die oft schlimme Folgen.

Das seien meist sehr schwere Unfälle, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Das Problem sind demnach vor allem Übergänge mit Halbschranken oder Kreuzungen, die durch ein Andreaskreuz abgesichert sind. „Diese Bahnübergänge sind offen und in der Regel liegt es dann immer an der mangelnden Disziplin der Autofahrer, die noch mal eben schnell drüberhuschen wollen und dabei Rotlicht und Schranke ignorieren“, so der Unfallforscher.

Auf Blinklicht achten

Laut der Deutschen Bahn gab es 2018 an Bahnübergängen 146 Unfälle – rund drei Viertel weniger als 1995, als es noch gut 600 Mal krachte. 87 Unfälle und damit rund 60 Prozent passierten 2018 an technisch gesicherten Bahnübergängen. Untersuchungen der Bahn sehen neben Leichtsinn auch Unwissenheit als einen Unfallgrund: „Vielen Verkehrsteilnehmern ist beispielsweise die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen gar nicht richtig bekannt“, sagt eine Bahnsprecherin. In einer Umfrage 2017 sei beispielsweise ein Viertel der Befragten der Meinung gewesen, dass das rote Blinken an Bahnübergängen dem Gelb einer Straßenampel entspreche und man daher nicht anhalten müsse.

Die Verkehrsregeln an Bahnübergängen sind eindeutig und gelten für Auto-, Motorrad-, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen: Allgemein habe der Eisenbahnverkehr hier Vorrang vor dem Straßenverkehr, sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). Innerorts herrscht fünf Meter vor und hinter einem Andreaskreuz Parkverbot, außerorts sind es 50 Meter. Ein Bahnübergang dürfe nur zügig und ohne anzuhalten befahren oder begangen werden, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Neuss. „Stockt der Verkehr, muss man vor dem Andreaskreuz warten.“ Dies gelte auch an Fuß-, Feld-, Wald- oder Radwegen, die über ein Gleis führen. Ein Lokführer müsse sich darauf verlassen können, dass er den Vorrang hat und andere Verkehrsteilnehmer warten, so der Anwalt. Wer die Regeln an Bahnübergängen missachtet, riskiert neben seiner Gesundheit auch eine Geldstrafe. „Es droht mindestens ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro, bei einer Gefährdung kann es noch höher ausfallen“, so Heinze. Wer nicht an der Schranke wartet und beim Drüberhuschen erwischt wird, muss mindestens 240 Euro bezahlen und mit zwei Punkten in Flensburg sowie einem einmonatigen Fahrverbot rechnen.

Viele Querungen unsicher

Bahnübergänge könnten sicherer sein, wenn mehr sie vermehrt mit Vollschranken abgesichert wären. „Das allerdings ist nicht nur eine deutlich teurere Alternative, sie wird leider auch von vielen Kommunen abgelehnt“, sagt Brockmann. Denn Vollschranken hätten aus Sicherheitsgründen auch immer längere Schließzeiten zur Folge, so der Unfallforscher. Je länger Schranken geschlossen bleiben, desto mehr staut sich der Verkehr, was in keinem Ort gerne gesehen wird.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) stuft viele Querungen als zu unsicher ein. Zehn bis 15 Todesfälle von Radfahrenden an Bahnübergängen würden pro Jahr registriert. „Nicht alle, aber einige dieser Unfälle könnten durch bessere Infrastruktur und Signalisierung verhindert werden. Es gibt immer noch Bahnübergänge ohne Schranken oder rotes Blinklicht, da wäre jede zusätzliche Maßnahme eine Verbesserung“, sagt Stephanie Krone vom ADFC. Nach wie vor gäbe es zudem hinderliche Sicherheitsvorkehrungen wie Umlaufgitter, die nicht immer ihren Zweck erfüllen, da zum Beispiel Radfahrende mit Anhängern durch die Barrieren nicht durchkommen.

Im besten Fall gar keine Bahnübergänge wünscht sich die Allianz pro Schiene. Diese Kreuzungen würden den Schienenverkehr einbremsen und seien risikoreiche Querungen. Ein ICE etwa darf an einem Bahnübergang maximal 160 km/h schnell sein. „Wir brauchen daher mehr Brücken und Unterführungen an den Stellen, an denen sich Straße und Schiene kreuzen“, meint Geschäftsführer Dirk Flege.

Noch aber gibt es Tausende Übergänge, an denen jeden Tag unzählige Fahrzeuge anhalten müssen. Beim Warten am Bahnübergang sollten Auto- und Motorradfahrer den Motor abstellen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt und den Spritverbrauch, sondern auch, um Durchsagen zu hören. tmn