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Rund 2,8 Milliarden Euro für Familien

Baukindergeld: Bilanz gut ein Jahr nach der Einführung

Die Internetseite war gerade freigeschaltet, da brach sie schon zusammen – so groß war vor einem Jahr der Ansturm auf das Baukindergeld. Noch immer gehen bei der zuständigen KfW-Bankengruppe viele Anträge auf die staatliche Förderung ein. Innerhalb eines Jahres wurden rund 2,8 Milliarden Euro an Zuschüssen gewährt. Doch das Projekt, eines der teuersten der großen Koalition, hat auch viele Gegner. Eine Jahresbilanz.

Anträge: Rund 135 000 Familien wollen bisher mit dem Baukindergeld ihren Traum vom Eigenheim erfüllen. Bis auf wenige Ausnahmen seien ihre Anträge auch bewilligt worden, sagte eine KfW-Sprecherin. Das Baukindergeld, so Minister Seehofer, entlaste zugleich den Mietwohnungsmarkt und schaffe für Familien langfristig eine solide Altersvorsorge.

Die Idee: Seit dem 18. September 2018 winkt Familien für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie ein staatlicher Zuschuss. Pro Kind gibt es 12 000 Euro, ausgezahlt in zehn Jahresraten zu je 1200 Euro. Letztmalig beantragt werden kann das Baukindergeld, wenn am 31. Dezember 2020 eine Baugenehmigung erteilt oder ein Kaufvertrag unterschrieben wird.

Voraussetzungen: Familien und Alleinerziehende mit einem Kind dürfen nicht mehr als 90 000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen haben, um Baukindergeld zu bekommen. Bei größeren Familien liegt die Grenze höher. Um dies zu prüfen, bildet die KfW den Durchschnitt der Einkommensteuerbescheide der beiden Vorjahre. Deshalb können auch Eltern das Baukindergeld bekommen, die eigentlich mehr verdienen – wenn sie in den Jahren vor der Antragstellung in Elternzeit waren und deshalb geringere Einkommen versteuern mussten. Später wird das Einkommen nicht erneut überprüft. Weitere Voraussetzungen: Man muss mit den Kindern selbst in dem Haus oder der Wohnung wohnen. Außerdem darf man die Immobilie nicht von direkten Verwandten wie Eltern oder Großeltern kaufen und die Familie darf keine andere Immobilie besitzen.

Geld: Innerhalb eines Jahres wurden Zuschüsse von rund 2,8 Milliarden Euro gewährt. Rund die Hälfte der Familien hat laut KfW das erste Geld schon bekommen, viele Anträge müssen aber auch noch abschließend geprüft werden. Für die gesamte Laufzeit des Baukindergelds bis Ende 2020 stehen 9,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Sollte das Geld früher aufgebraucht sein, will die Bundesregierung nach bisherigen Plänen nicht nachschießen. Ist der Topf leer, gehen auch die restlichen Antragsteller leer aus.

Profiteure: „Insbesondere junge Familien mit kleinen Kindern werden bei der Schaffung von Wohneigentum unterstützt“, erklärte KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster. 65 Prozent der Antragsteller haben Kinder im Vorschulalter, mehr als jede dritte Familie Kinder unter drei Jahren. Die meisten sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. 60 Prozent hatten ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 40 000 Euro. Nur etwa ein Viertel des Geldes wurde für Neubauten genutzt, drei Viertel für den Kauf von Bestandsimmobilien.

Wirkung: Das Baukindergeld sollte laut Ministerium vor allem die in Deutschland geringe Wohneigentumsquote von jungen Familien erhöhen. Insgesamt ist die Bundesrepublik ein Mieterland: Gerade jeder zweite wohnt in der eigenen Immobilie.

KRITIK: Die FDP im Bundestag würde die Förderung am liebsten komplett abschaffen. Das Baukindergeld verfehle seine Wirkung, da die angespannten Märkte der Großstädte nicht profitierten, kritisiert sie. Aus Sicht der Immobilienbranche macht es Häuser, Wohnungen und Grundstücke sogar noch teurer. In vielen Fällen schlage der Verkäufer die Prämie auf den Verkaufspreis auf. Zudem wird bemängelt, dass der Großteil der Anträge für Bestandsimmobilien gestellt wird und nicht für Neubauten, die den Wohnungsmarkt entlasten würden. dpa