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TSG 1899 Hoffenheim Rekordsommer in Sachen Transfereinnahmen / Der neue Trainer Alfred Schreuder will seine Erfahrungen aus der Zeit bei Ajax Amsterdam im Kraichgau umsetzen

Schön – aber auch erfolgreich?

Archivartikel

Es war der Rekordsommer bei der TSG 1899 Hoffenheim – zumindest in Sachen Transfereinnahmen: Für Nico Schulz, der zu Borussia Dortmund wechselte, erhielten die Kraichgauer 25 Millionen Euro, Kerem Demirbay und Nadiem Amiri verließen die TSG für insgesamt 41 Millionen in Richtung Bayer 04 Leverkusen und Joelinton, der als Rekordabgang Roberto Firmino ablöste, spülte mit seinem Wechsel zu Newcastle United 44 Millionen Euro in die Kassen. Außerdem hat sich Trainer Julian Nagelsmann nach etwas mehr als drei Jahren für ein Engagement bei RB Leipzig entschieden.

Die eingenommenen Beträge bedeuten zum einen natürlich volle Kassen, doch zum anderen haben wertvolle Spieler den Tabellenneunten der abgelaufenen Spielzeit verlassen. Die Akteure, die gekommen sind, sind wahrlich nicht so namhaft, sie stehen aber für den Weg, den der neue Trainer Alfred Schreuder verfolgen möchte. Robert Skov, Ihlas Bebou und Sargis Adamyan sind die neuen Puzzleteile, die noch ihren Platz finden müssen. Sebastian Rudy kehrt nach seinen Abstechern zu Bayern München und Schalke 04 in den Kraichgau zurück.

An der Spielweise wird sich voraussichtlich wenig ändern, das bestätigt Schreuder bei seiner ersten Pressekonferenz: „Wir versuchen immer anzugreifen, aber es wird auch Spiele geben, in denen wir das nicht schaffen. Dann müssen wir etwas defensiver spielen.“

Die Abwehrarbeit war in der vergangenen Spielzeit aber nicht die große Stärke: 52 Gegentore waren zu viel, um sich am Ende für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Eine 2:4-Niederlage in Mainz bedeuteten das Aus der Träume. Eine weitere Baustelle war die fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Tor: Nur etwas mehr als 23 Prozent der Großchancen wurden verwertet – auch das war ein zu geringer Wert, um mit den besten Teams mitzuhalten. „Wir haben eine lernfähige Truppe. Die Erkenntnis, dass wir auf diesem Gebiet bissiger werden müssen, wird das Trainerteam mit Nachdruck reinbringen“, ist sich Manager Alexander Rosen sicher.

Zweifellos wird sich aber die Außendarstellung der TSG 1899 Hoffenheim ändern, denn Nagelsmann polarisierte. Jede Pressekonferenz war ein Spektakel, ob das unter Schreuder ebenfalls der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Beide Übungsleiter kennen sich jedoch aus der Vergangenheit, denn Schreuder agierte bis 2018 als Co-Trainer von Nagelsmann. Dann entschied er sich, in seine niederländische Heimat zu Ajax Amsterdam zu wechseln. Dort erlebte er eine tolle Reise durch Europa: Siege gegen die Großmächte Real Madrid und Juventus Turin waren die Höhepunkte – nur gegen Tottenham schied das Team aufgrund der Auswärtstorregel aus.

Start in Frankfurt

Vieles was er dort gelernt hat, möchte er jetzt auch in Hoffenheim umsetzen: „Wir wollen einen schönen Fußball spielen.“ Der soll in der kommenden Saison, die mit einem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt beginnt, aber nicht nur schön, sondern auch erfolgreich sein. Gelingt das, dann sind nicht nur die Transfersummen rekordverdächtig, sondern vielleicht auch der sportliche Erfolg: Bisher stand am Saisonende als beste Platzierung der dritte Platz zu Buche.