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Sachbuch Historiker Volker Ullrich hat eine kompakte Darstellung veröffentlicht, die vor allem jungen Lesern Orientierung bietet

Schreckensgestalt Hitler auf einen Blick

Archivartikel

Wem die zahlreichen, hunderte Seiten starken Hitler-Biografien über Leben, Aufstieg und Verbrechen des Diktators zu detailgetreu sind und ihn daher zunächst abschrecken, der hat jetzt eine schmalere Alternative. Der Historiker Volker Ullrich hat kurz nach dem zweiten Band seiner Hitlerbiografie nun „Hitler. Die 101 wichtigsten Fragen“ vorgelegt.

Auf 160 Seiten gibt Ullrich klare, prägnante Antworten in einer Länge von maximal zwei Seiten und zeichnet so ein rundes Bild von Hitler. Das erfasst zwar nicht alle Facetten des Diktators wie in einer Gesamtdarstellung, bietet aber einen schnellen Einblick.

Die Intention des Autors ist es, gerade jungen Menschen, für die die zwölf Jahre NS-Diktatur von 1933 bis 1945 ferne Vergangenheit sind, eine Orientierung zu geben. Trotz der Kürze des Buches begrenzt Ullrich seine Darstellung nicht ausschließlich auf den Aufstieg der „Schreckensgestalt“ Hitler, den Mythos um seine Person, auf Krieg, Holocaust und Untergang. In Fragen und Antworten zeichnet er auch Hitlers Herkunft oder dessen Verhältnis zu Frauen im Allgemeinen und zu Eva Braun im Speziellen nach. Ullrich fragt außerdem nach Hitlers Hobbys und nach seiner Lebensführung.

„Nach allem, was bislang bekannt ist, scheint Hitler eine ziemlich normale Kindheit verbracht zu haben“, schreibt Ullrich. Hitler sei kein Asket gewesen und habe den Luxus geschätzt. Angaben über sein Verhältnis zu Frauen seien spekulativ, weil es darüber keine Aufzeichnungen gebe. Eva Braun sei allerdings die Frau gewesen, die nach seiner Mutter die wichtigste Rolle in Hitlers Leben gespielt habe. Auch oft gestellte Fragen zur Machtübernahme, zur Kriegswende oder zu einem Holocaust-Befehl beantwortet Ullrich. Und er behandelt Fragen wie: Hätte Hitler von der Macht ferngehalten werden können? Wann kann von einer Wende des Krieges gesprochen werden? Gab es einen Befehl Hitlers zur „Endlösung der Judenfrage’“?

Bei aller Kürze informativ

Hitlers Weg zur Macht sei keineswegs ein ununterbrochener Siegeszug gewesen. „Selbst Ende Januar 1933 war die Übertragung der Macht auf Hitler nicht alternativlos“, schreibt der Wissenschaftler. Entgegen der gängigen Meinung, die Niederlage von Stalingrad habe die Kriegswende eingeleitet, datiert Ullrich diesen Punkt viel früher.

Schon im Scheitern der Offensive vor Moskau und in den Kämpfen Ende 1941, Anfang 1942 sieht er den eigentlichen Wendepunkt. Und eines Befehls Hitlers zum Holocaust bedurfte es nicht, findet Ullrich. Hitler habe seine Wünsche geäußert und so seine Gefolgschaft ermuntert, diese mit allen mörderischen Konsequenzen mit „Fantasie und Ehrgeiz“ umzusetzen.