Seite 1 - MM

Schiedsrichter Maßnahmen gegen den Mangel an Unparteiischen / Badischer Verband hat die Erhöhung der Schiedsrichter-Spesen sowie Anreize und Entlastung für Vereine beschlossen

Schwerpunkt auf der Gewinnung und Bindung

Archivartikel

Der Badische Fußballverband (BFV)hat die Erhöhung der Schiedsrichter-Spesen zum 1. Juli sowie Anreize und Entlastung für Vereine beschlossen. Die Auswirkungen des Schiedsrichtermangels sind bereits spürbar. Einerseits für die Vereine, denn in unteren Spielklassen mussten bereits Spiele verlegt werden, da sie nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden konnten. Andererseits bedeutet der Mangel einen Mehraufwand für die vorhandenen Schiedsrichter, die teilweise an einem Tag mehrere Spiele hintereinander pfeifen oder größere Fahrtstrecken zurücklegen müssen.

Die Gründe sind vielfältig: Ein verändertes Freizeitverhalten, berufliche und familiäre Anforde-rungen, aber auch negative Einflüsse von außen wie Beleidigungen, Bedrohungen bis hin zu tätlichen Angriffen machen es Verbänden und Vereinen zunehmend schwer, geeignete Schiedsrichter zu finden. Viele fangen an, brechen dann aber ab und hören auf. Das Hobby ist zeitaufwendig und dem steht eine geringe Aufwandsentschädigung entgegen. Das alles sind Faktoren, die es zunehmend schwerer machen, Menschen für die Schiedsrichter-Tätigkeit zu gewinnen und langfristig zu motivieren. Daher liegt zukunftsorientiert der Schwerpunkt auf der Gewinnung und Bindung von Schiedsrichtern.

Anreize für Schiedsrichter

Nicht alle Ursachen des Mangels sind lösbar. Doch der Badische Fußballverband hat im Dialog mit Vereinen und Schiedsrichtern die Stellschrauben identifiziert, an denen gedreht werden kann, um die Situation für alle Seiten zu entspannen. Ganz oben steht das Thema Wertschätzung. Die ideellen Aspekte haben wir zum Beginn der Rückrunde ausführlich thematisiert, beginnend mit einer Willkommens- und Verabschiedungskultur, mit der Einbindung der Schiedsrichter in das Vereinsleben oder Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Schiedsrichter. In seiner Sitzung am 12. Juni hat der Verbandsvorstand den nächsten logischen Schritt beschlossen: die baden-württemberg-weite Erhöhung der Schiedsrichter-Spesen

Die drei baden-württembergischen Fußballverbände haben die Aufwandsentschädigungen für Schiedsrichter letztmals 2014 angeglichen. Seitdem gelten unverändert einheitliche Sätze, die sich im Bereich zwischen 12 und 60 Euro bewegen. Die Anhebung von im Durchschnitt etwa 30 Prozent zur Spielzeit 2019/20 ist Ergebnis ausführlicher Beratungen aller drei baden-württembergischen Landesverbände. Ein Schiedsrichter erhält ab dem 1. Juli beispielsweise für eine Spielleitung in der Kreisklasse B anstatt 25 nun 33 Euro. Für den Verein mit einer Herrenmannschaft in dieser Spielklasse bedeutet dies bei 16 Mannschaften über die Saison Mehrkosten in Höhe von 120 Euro.

Bei einem Kreisligaspiel der C-Junioren erhöht sich der Spesensatz für den Schiedsrichter künftig von 13 auf 15 Euro, für den Verein entstehen Mehrkosten von 22 Euro pro Saison bei zu Grunde gelegten zwölf Mannschaften pro Staffel. Auch wenn wirtschaftliche Erwägungen keine Hauptrolle spielen, ist die Erhöhung der Aufwandsentschädigung Ausdruck der Wertschätzung. „Unseren Unparteiischen wird mit dieser Anhebung deutlich signalisiert, dass ihr Engagement für einen funktionierenden Spielbetrieb von großer Bedeutung ist“, teilt der Verband mit.

Der Spesenerhöhung gegenüber steht ein Maßnahmenkatalog, der die Vereine mittel- bis langfristig entlastet. Für die Schiedsrichter in ganz Baden-Württemberg wird die Spesenerhöhung Anlass dafür sein, ihre administrativen Pflichten über die eigentliche Spielleitung hinaus noch intensiver zu beachten, unter anderem den elektronischen Spielbericht innerhalb einer Stunde nach Spielende abzuschließen. Auch bei der Einteilung werden die Schiedsrichtervereinigungen künftig noch mehr darauf achten, die Fahrtkosten für die Vereine so gering wie möglich zu halten. Konkret hat der Verbandsvorstand die Vorgabe beschlossen, dass der Schiedsrichter-Austausch in den Kreisspielklassen auf benachbarte Kreise beschränkt wird, dass in den Landesligen sofern verfügbar Gespanne aus dem dritten Fußballkreis der Region eingesetzt werden und bei Landes- oder Verbandsligaspielen mit Mannschaften aus demselben Kreis auch Schiedsrichter aus dem Kreis zum Einsatz kommen.

Veränderungen soll es auch beim Thema Schiedsrichter-Soll geben. Transparenz und Kommunikation zwischen Schiedsrichtervereinigung und Vereinen werden erhöht, zudem soll die bisherige starre Regelung überarbeitet werden. Auch ein Anreizsystem für Vereine wird überprüft.

Allerdings ist auch der Badische Fußballverband in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Das betrifft insbesondere die Gewinnung von neuen Schiedsrichtern und deren bestmögliche Betreuung. Denn die Erhöhung des Schiedsrichter-Pools führt in hohem Maße zu der oben beschriebenen Entlastung der Vereine. Dazu hat der Verband mit seinen Kreisen und Schiedsrichtervereinigungen in den letzten Jahren verstärkt Lobbyarbeit betrieben sowie die Neulingsausbildung zeitgemäßer und zielgruppenorientiert gestaltet.

Ausgaben von 100 000 Euro

Das sogenannte Führerscheinmodell umfasst eine theoretische Ausbildung, die in Teilen aus E-Learning besteht, sowie eine Praxisphase. Im Patenmodell werden die Neulinge dabei intensiv begleitet und gecoacht. Gezielte Elternarbeit und Maßnahmen zum Kinderschutz fördern zudem die Gewinnung und Bindung des jungen Nachwuchses.

Die Ausgaben des BFV für das Schiedsrichterwesen betrugen im Jahr 2018 rund 100 000 Euro. Darin sind unter anderem die Kosten für die Neulingsausbildung in Höhe von 27 000 Euro und die Wertschätzungs-Offensive „Danke Schiri“ enthalten.