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Weinheim Beschwerliche Standortsuche für Kerwe-Straußwirtschaften / Organisatoren der „Academic Bar“ fühlen sich alleingelassen

Schwierige Zeiten für Schankwirte

Archivartikel

Zu den beliebten Anlaufzielen während der Weinheimer Kerwe zählt das Gerberbachviertel. In den romantisch anmutenden Gässchen verbringen die Besucher gern gesellige Abende bei den Straußwirtschaften. Im Gerberbachviertel einen Standort für die eigene Schankwirtschaft zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig. Das finden zumindest die Mitglieder des Academic 09 Weinheim. Seit acht Jahren organisieren die jungen Männer den Ausschank im Gerberbachviertel an ihrer „Academic Bar“. Wie seit bereits zwei Jahren schenken sie auch in diesem Jahr zu sechst in einem Gewölbekeller in der Hauptstraße aus.

Nun ist allerdings unklar, ob die „Academic Bar“ auch in Zukunft Teil der Weinheimer Kerwe sein wird. Denn zum Jahresende steht ihnen der Keller nicht mehr zur Verfügung. Also hatte man sich auf die Suche nach einem alternativen Standort begeben – ohne Erfolg. „Wir haben das Gerberbachviertel abgeklappert, wahlweise bei uns unbekannten Anwohnern geklingelt und gefragt, ob sie uns ihre Höfe oder andere Räumlichkeiten für eine Straußwirtschaft zur Verfügung stellen. Doch niemand war dazu bereit“, sagt Basti Bürner, der die Organisation der „Academic Bar“ übernimmt. Auch von anderen Straußwirtschaftsbetreibern habe er gehört, dass sie Probleme mit der erschwerten Standortsuche hätten, so Bürner.

Er habe sich daraufhin an das Ordnungsamt der Stadt Weinheim gewandt. Die Antwort: Die Schankbetreiber müssten sich selbst um einen Standort kümmern. Die Antwort habe ihn enttäuscht, sagt Bürner: „Wir wollen uns unbedingt langfristig an der Kerwe beteiligen. So haben wir aber das Gefühl, dass uns eher Steine in den Weg gelegt werden.“ Zusätzlich seien die Auflagen für Schankwirtschaften „irrsinnig“ komplex, so Bürner, gerade für diejenigen, die zum ersten Mal eine Straußwirtschaft betreiben. Selbst erfahrenen Schankwirten stellen sich genehmigungsrechtliche Fragen, etwa ob während der Kerwetage ein Einzelgewerbe angemeldet werden muss. „Als wir nachgefragt haben, wurde wir an das Finanzamt verwiesen. Daraufhin haben wir lediglich einen steuerlichen Erfassungsbogen per Brief erhalten. Ob das aber das korrekte Verfahren für unsere Situation ist, blieb offen“, so Bürner.

„Haben angeboten, was geht“

Man fühle sich als Schankwirt mit seinen Fragen alleingelassen, die Stadt zeige sich nicht hilfsbereit. „Stattdessen wäre es wünschenswert, dass Infoabende angeboten werden, wo die Fragen zu den Auflagen und dem Schankbetrieb direkt gestellt und beantwortet werden können“, schlägt Bürner vor. Einen solchen Infoabend anzubieten, darüber lasse sich reden, sagt Roland Kern, Pressesprecher der Stadt Weinheim. Bei der Standortsuche für Straußwirte in der Innenstadt seien der Stadt allerdings die Hände gebunden. „Eine direkte Vermittlung von Straußwirtschaften ist nicht möglich, wenn sie nicht im Besitz der Stadt sind“, so Kern. „Das, was wir als Stadt anbieten können, haben wir angeboten“, sagt er mit Blick auf die Schlosshöfe und – in diesem Jahr neu dabei – die Terrasse des Schlossparkrestaurants.

Ansonsten bleibt nichts anderes übrig, als potenzielle Standorte über persönliche Kontakte zu vermitteln. „Wir versuchen, Augen und Ohren offen zu halten. Wir sind aber leider keine Tauschbörse“, sagt Kern. „Wir starten daher jedes Jahr den Aufruf, dass sich Schankwirte und Bereitwillige, die ihre Höfe zur Verfügung stellen, melden können – immer unter der Telefonnummer 06201/8 22 29 oder per Mail an st.grabinger@weinheim.de.“ Allerdings komme nicht auf jeden Straußwirtschaftbewerber auch ein entsprechender Standort.

Fakt ist: Seit Jahren stagniert das Angebot der Straußwirtschaften bei der Weinheimer Kerwe, ist teils rückläufig. „Dabei brauchen wir die Straußwirtschaften und sind daher froh über jeden Teilnehmer“, betont Kern. Als verwurzelter Weinheimer sieht er einen Wandel in der Schankwirtkultur der Kerwe. „Die Tradition ändert sich, zumal gerade das Gerberbachviertel immer mehr von Zugezogenen bewohnt wird. Es stehen immer weniger Höfe zur Verfügung.“