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Staatstheater Darmstadt Neuinszenierung von „Othello“

Shakespeare in brutalerer Sprache

Darmstadt.„Othello“ sei die einzige Tragödie in Shakespeares Werk, die einen beinahe zeitgenössischen Stoff behandelt, schreibt Shakespeare-Experte Balz Engler. Denn Othello ist nicht nur ein Stück über Eifersucht, Liebe und Intrige, sondern vor allem über den Rassismus einer weißen Männer-Gesellschaft gegen einen schwarzen Kriegshelden. Für den Regisseur Gustav Rueb, dessen Darmstädter Inszenierung am 14. September am Staatstheater Premiere hat, ist dieses Thema brandaktuell: „Das Problem des Rassismus haben alle Charaktere in diesem Stück. Und in diesem Zuge interessiert mich auch die Verrohung der Sprache, die wir vor allem im Internet beobachten und die sich auch bei Shakespeare in den Figuren eingenistet hat.“

Hierfür verschränkt die Inszenierung die Übersetzung von Wolfgang Heinrich Graf Baudissin mit der des Autors Feridun Zaimoglu und Günter Senkels von 2003, die eine sehr heutige und brutale Sprache findet, um den Hass in den Figuren offen zu legen. „Shakespeare hat hier alles Ferne und Märchenhafte verloren. Es erzählt von Figuren, die heute leben könnten. So wird es unmöglich, die Geschichte als etwas Vergangenes abzutun. Man muss sich die Frage stellen, was der Rassismus und die Unfreiheit der Figuren mit uns zu tun haben.“

Die Titelrolle spielt Ernest Allan Hausmann. Premiere ist 14. September um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters. Weitere Vorstellungen folgen am 21. September sowie am 5., 18. und 26. Oktober. zg