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Weinheim Der Kabarettist Wolfgang Trepper spricht über das Bahnfahren, den Zustand der SPD und über Handball / Auftritt am Dienstag in der Stadthalle

„SPD ist für Deutschland unverzichtbar“

Archivartikel

Wolfgang Trepper, „das Original von der Reeperbahn“, gastiert am Dienstag, 24. September, um 20 Uhr in der Stadthalle Weinheim. Doch wer mit dem Kabarettisten spricht, der erlebt keinen „Hamburger Jung’“, sondern einen Mann, der seine Herkunft aus dem Ruhrgebiet nicht leugnen kann. Unsere Zeitung hat sich mit dem gebürtigen Duisburger über Comedians, den Zustand der SPD und Handball unterhalten. Denn bevor es den heute 58-Jährigen auf die Bühne zog, war er der erste hauptamtliche Handballmanager in der Bundesliga.

Herr Trepper, Sie treten am Dienstag in einer handballverrückten Gegend auf. Welchem Verein drücken Sie die Daumen?

Wolfgang Trepper: Meine Favoriten sind Kiel und Magdeburg, die jetzt wieder auf einem Level stehen. Was ich in Magdeburg immer geschätzt habe, ist die tolle Jugendarbeit.

Sie absolvieren pro Jahr etwa 280 Auftritte in ganz Deutschland. Fahren Sie lieber mit dem Auto oder mit der Bahn?

Trepper: Sobald die Deutsche Bahn in der Lage ist, mich an einem Tag an einen Ort und am selben Tag wieder zurück nach Hamburg zu bringen, dann lasse ich mein Auto gerne stehen. Aber im Moment ist es beispielsweise unmöglich, nach 22.30 Uhr von Berlin zurück nach Hamburg zu kommen. Das muss man sich mal vorstellen – zwei Millionenstädte, die keine 300 Kilometer voneinander entfernt sind. In die Bahn und den Öffentlichen Personennahverkehr muss einfach mehr Geld fließen.

Wie stehen Sie zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen?

Trepper: Die sind wichtig und wunderbar, weil sie ein Bewusstsein schaffen, wo früher keines war.

Sie sind als Kabarettist unter anderem dafür bekannt, dass Sie nicht gerade zimperlich mit der SPD umspringen. Nun sind aber die Sozialdemokraten nicht die einzige Partei, die – salopp gesprochen – Mist baut. Liegt Ihnen diese Partei besonders am Herzen?

Trepper: Ich bin zwar kein Mitglied der SPD, weil ich nicht wirklich in einer Partei sein möchte, die mich aufnimmt. Aber im Ernst: Ja, die SPD liegt mir am Herzen. Ich bin in Duisburg, also im Ruhrgebiet aufgewachsen, dort war lange der mit Abstand stärkste Wahlkreis der SPD. Man hätte einen Besenstiel aufstellen können und die Leute hätten ihn gewählt. Mein Vater war selbst in der SPD, Gewerkschafter und Betriebsrat. Als jungem Mann war mir die SPD zu rechts. Aber mit fortschreitendem Alter rückt man dann doch ein bisschen weiter in die Mitte.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand der SPD?

Trepper: Wenn diese Partei eine Firma wäre, dann wäre schon der Insolvenzverwalter im Haus. Ich befürchte ja, dass sich die Verantwortlichen mit einem herzhaften ,Jetzt machen wir mal so weiter aus der Affäre ziehen. Dabei ist die SPD eigentlich unverzichtbar in Deutschland.

Aber es gibt ja auch andere Kräfte in der SPD. Kevin Kühnert steht nicht für ein „Weiter so“.

Trepper: Er stellt sich aber nicht zur Wahl, das ist dann im Grunde genauso feige.

Sie stehen inzwischen seit 16 Jahren auf der Bühne. Was hat sich aus Ihrer Sicht verändert?

Trepper: Die Leute sind manchmal übersensibel. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel. Es gibt ja diese Brötchen, in die man einen platt gedrückten Mohrenkopf steckt. Wenn ich dann auf der Bühne darüber sinniere, dass, wenn der Begriff „Negerkuss“ ja verboten ist, man vielleicht besser „Bimbobussi“ sagen sollte. Darüber lachen die Leute nur noch sehr verhalten. Es ist viel Unbekümmertheit verloren gegangen – oder auch Gedankenlosigkeit, so kann man es auch sehen. Ich würde allerdings ein Wort nie verwenden, wenn mir von einem Betroffenen gesagt würde, dass ihn das persönlich verletzt – das mache ich nicht. Es gibt aber Dinge in diesem Zusammenhang, die finde ich viel schlimmer als dem Gebrauch dieses oder jenes Wortes.

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Trepper: Ich war mal auf einer Kreuzfahrt, da wurden Inuit an Bord geholt und den Passagieren regelrecht vorgeführt. Da bin ich gegangen, das wollte ich nicht sehen. Wenn man Menschen so entwürdigt, dann ist es egal, ob man sie Inuit oder Eskimos nennt.

Ihr Auftritt ist überschrieben mit „Tour 2019“ – nicht besonders originell, oder?

Trepper: Das ist mein stummer Protest gegen die Veranstalter, die immer so fixiert auf Programm-Titel sind. Die haben dann vermeintlich lustige Titel, dabei ist das doch total egal. Die Leute, die zu mir kommen, wissen, ich stelle immer Anfang des Jahres ein neues Programm vor.

Am 2. Oktober wird der Deutsche Comedypreis vergeben. In diesem Jahr gab es viel Kritik, da wieder dieselben Künstler wie im vergangenen Jahr nominiert wurden: Carolin Kebekus, Chris Tall, Mario Barth, Luke Mockridge. . . Teilen Sie diese Kritik?

Trepper: Ja schon, wobei mich das früher mehr geärgert hat als heute. Aber das Tröstliche ist: Es gibt so viele Künstler, die sehr gut sind und die ebenfalls ihr Auskommen haben. Die werden Sie aber nie beim Deutschen Comedypreis erleben. Der Klavierkabarettist Bodo Wartke zum Beispiel füllt locker Hallen mit 2000 bis 3000 Menschen. Außerdem gibt es großartige Travestiekünstler, die oft völlig zu Unrecht in die Ecke der verrückten Vögel gestellt und damit völlig unterschätzt werden.

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