Seite 1 - MM

Weinheim Verwaltung schlägt erneut Grundstücksverkauf an privaten Bauherren vor / Anzahl der öffentlichen Parkplätze soll erhalten bleiben

„Städtebaulicher Missstand“ soll beseitigt werden

Im April stand der Amtshausplatz schon einmal auf der Tagesordnung des Weinheimer Gemeinderates und löste unter den Geschäftsleuten und Weinheimer Bürgern heftige Diskussionen aus. Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner zog damals die Notbremse, vertagte das Thema. Jetzt ist es wieder so weit. Am Mittwoch, 4. Dezember, sollen die Stadträte darüber entscheiden, ob die Stadt ein 250 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Amtshausplatz an einen privaten Bauherrn verkauft. Die Familie Annacker, die Eigentümer des angrenzenden Hauses Hauptstraße 118 ist, plant dort einen Anbau. Damit würde, so argumentiert Günther Annacker, die hässliche Brandmauer gegenüber dem Museum der Stadt Weinheim endgültig verschwinden. Außerdem soll der historische Weinberg-Saal, der zu seinem Anwesen gehört, zu einem Loft umgebaut werden.

Der Anbau war vor allem deshalb umstritten, weil sich auf dem Grundstück derzeit öffentliche Parkplätze befinden. Der Einzelhandel lief Sturm, fürchtete um seine Kundschaft. Inzwischen scheint es so, als habe sich die Verwaltung mit dem Verein „Lebendiges Weinheim“ einigen können. Zumindest schreibt das die Stadt in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Neuverteilung der Parkplätze

„Stadt hat eine Lösung für einen Anbau am Amtshausplatz gefunden, bei der die Kundenparkplätze fast vollständig erhalten werden können“, heißt es selbstbewusst in der Pressemitteilung. Durch eine Neuverteilung von frei zugänglichen Kundenparkplätzen, Anwohner- und Dauerparkplätzen bleibe die Zahl der öffentlichen Parkplätze erhalten. Neu ist die Idee nicht, schon im April hatte die Stadtverwaltung ein ähnliches Konzept in der Tasche. Konkret bedeutet das, dass zunächst zwölf öffentliche Parkplätze wegfallen würden. Würde man die Parkplätze im oberen Teil des Amtshausplatzes in öffentliche umwidmen und die Anwohnerparkplätze auf die Fläche der bisherigen Dauerparker, dabei handelt es sich nach Auskunft der Stadt um Gewerbetreibende, auf die „Autoscooterfläche“ umsiedeln.

Die Dauerparkerplätze würden dann ins Parkhaus an der Schlossbergterrasse umgesiedelt werden. Die Verwaltung sieht durch den Anbau viele Vorteile. Zum einen werde der Platz städtebaulich aufgewertet. Gleichzeitig werde der Amtshausplatz in seiner jetzigen Funktion, unter anderem als Festplatz während der Kerwe, nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Das zuständige Fachamt habe auch geprüft, dass Lastwagen, die zur Kerwe zufahren müssen, trotz der Bebauung den Amtshausplatz befahren können.

„Da der Amtshausplatz bereits heute nahezu vollständig versiegelt ist, erschlossen ist und in einer integrierten Lage liegt, ist es aus ökonomischer, ökologischer, sozialer und städtebaulicher Sicht in jedem Fall erstrebenswert, den dargestellten Grundstücksteil auch im Sinne der Innenentwicklung einer Bebauung zuzuführen“, schreibt die Stadt wörtlich.

Zudem verweist die Verwaltung auf das „Entwicklungskonzept Innenstadt“ aus dem Jahr 2002, das die Brandmauer als „städtebaulichen Missstand“ bewerte, wie es in der Pressemitteilung heißt. vmr