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Stars mit angezogener Handbremse

„Triple Frontier“: Netflix-Action-Thriller schöpft sein eigentliches Potenzial nicht voll aus

„Du wurdest fünfmal für dein Land angeschossen und kannst dir nicht einmal einen neuen Truck leisten“, wirft Santiago (Oscar Isaac) seinem ehemaligen Armee-Kameraden Tom (Ben Affleck) an den Kopf. Tatsächlich schlägt der sich als Makler durch und kommt gerade so über die Runden. Daheim warten unbezahlte Rechnungen.

Doch das könnte sich schlagartig ändern. Santiago will den berüchtigten Drogenboss Gabriel Martin Lorea (Reynaldo Gallegos) ausrauben. Damit dies gelingt, stellt er in „Triple Frontier“ eine Truppe aus alten Army-Haudegen zusammen. Den Action-Thriller gibt es ab sofort bei Netflix zu sehen.

Gemeinsam mit William (Charlie Hunnam), Francisco (Pedro Pascal) und dem Piloten Ben (Garret Hedlund) wollen die Männer in das Haus des Drogenbosses mitten im südamerikanischen Dschungel einbrechen. Gelingt der Coup, wären die einstigen Special- Agents auf einen Schlag all ihre finanziellen Sorgen los. Zunächst läuft alles wie am Schnürchen. Eine Tasche nach der anderen füllt sich mit Geldbündeln, der Drogenboss wird mit einem gezielten Schuss zur Strecke gebracht und den Räubern glückt die Flucht aus dem Domizil des Kriminellen. Doch kurz bevor das Team den sicheren Hafen erreicht, stürzt ihr Helikopter ab. Es beginnt eine verlustreiche Odyssee durch die südamerikanische Bergwelt.

Regisseur J.C. Chandor („A Most Violent Year“) packt die großen Geschütze aus – zumindest was die Darsteller angeht. Denn im Film selbst lässt er die Stars um Ben Affleck und Charlie Hunnam nicht so wirklich von der Leine. Anders als es der furiose Trailer hatte erwarten lassen, sind knallharte Action-Sequenzen und bleischwere Ballerorgien Mangelware.

Das liegt vor allem an der schwer zu erklärenden Tatsache, dass den Räubern auf ihrer Flucht niemand so wirklich auf den Fersen zu sein scheint. Logisch ist das nicht, schließlich wurde der vermeintlich berüchtigtste Drogenboss der Welt getötet und bestohlen. Bis auf eine kurze, aber effektvoll bebilderte Schießerei in einer Felswand sind die Protagonisten hauptsächlich mit sich selbst und ihrer misslichen Situation beschäftigt. Fragen nach der Schuld an der verpatzten Mission werden laut.

Dennoch: Aufkeimende Konfliktpotenziale werden von Drehbuchautor Mark Boal („Zero Dark Thirty“) nicht weitergesponnen und sich anbietende dramaturgische Elemente werden ohne wirkliche Beachtung links liegengelassen.

Kameradschaft gefragt

Daran ändert auch ein schrecklicher Zwischenfall nichts, der bei den Männern den Fokus weg vom Geld und zurück zur Kameradschaft lenkt. Immerhin: Der Cliffhanger am Ende des Films deutet auf eine Fortsetzung von „Triple Frontier“ hin. Vielleicht kommen Action-Fans dann ja mehr auf ihre Kosten. tsch