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Bergstraße Volksbanken Weinheim und Kurpfalz erläutern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Details zur geplanten Fusion

Strategie und Köpfe passen

Fast könnte man meinen, die Volksbanken Weinheim und Kurpfalz hätten sich im vergangenen Jahr besonders ins Zeug gelegt, um für die 2020 geplante Fusion glänzen zu können. Jedenfalls präsentierten am Mittwoch Carsten Müller und Klaus Steckmann (Weinheim) sowie Ralf Heß und Michael Hoffmann (Kurpfalz) „geradezu sensationelle Zahlen“ für das abgelaufene Jahr, wie es Steckmann formulierte.

Die Bilanzsummen sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (Kurpfalz plus 4,7 Prozent, Weinheim plus 7,9 Prozent); die Betriebsergebnisse im Bankgeschäft haben sich sogar außergewöhnlich stark verbessert (Kurpfalz plus 25,4 Prozent, Weinheim plus 29,1 Prozent). Das Signal, das von diesen Zahlen ausgehen soll, ist klar: Hier wollen zwei gesunde Banken fusionieren, die sich auf Augenhöhe begegnen und voller Tatendrang in eine gemeinsame Zukunft durchstarten – unter dem gemeinsamen Namen Volksbank Kurpfalz.

Zusammen bringt man es auf eine Bilanzsumme von 3,1 Milliarden Euro und würde damit bei den 873 Volksbanken, die es 2018 in Deutschland gab, von Platz 140 (Kurpfalz) beziehungsweise Rang 208 (Weinheim) in die „Top 60“ vorrücken.

Dass die Chemie zwischen den Verantwortlichen in beiden Vorständen und Aufsichtsräten stimmt, war das zweite Signal bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz, die in der Filiale der Volksbank Weinheim im Hirschberger Ortsteil Leutershausen stattfand – nur 300 Meter entfernt von der Filiale der Volksbank Kurpfalz. Es ist übrigens die einzige Überschneidung im Filialnetz beider Banken.

Eine Filiale wird geschlossen

Die Entscheidung, welcher der beiden Filialstandorte in Leutershausen aufgegeben wird, werde man frühestens im zweiten Halbjahr 2020 treffen, hieß es. Aber man stehe zu dem Versprechen, „dass es im Rahmen des Zusammenschlusses keine Entlassung von Mitarbeitern geben wird“.

„Es ist eine Chancen- und keine Kostenfusion“, waren sich die Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Scheffler (Weinheim), der dieses Jahr altersbedingt seinen Posten abgeben wird, und Bernhard Müller (Kurpfalz) einig. Gleichwohl hat der Trend zu größeren Einheiten in der Bankenbranche natürlich handfeste Gründe: Die anhaltende Niedrigzinsphase, die zunehmende Regulatorik, die fortschreitende Digitalisierung und die damit verbundenen Kosten werden in diesem Kontext immer wieder angeführt. Aber auch bei der Gewinnung von Fachkräften erhoffen sich die Verantwortlichen der Volksbanken Weinheim und Kurpfalz durch das größer werdende Unternehmen eine höhere Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.

Die regionale Verwurzelung soll darunter nicht leiden – „wir sind und bleiben Partner für die regionale Wirtschaft und die Menschen, wir sind und bleiben Förderer von Kunst, Kultur, Sport und Sozialem in unserer Region“, betonte Carsten Müller, der designierte Vorstandssprecher der „neuen“ Volksbank Kurpfalz. Um dies zu unterstreichen, würden die beiden bestehenden Stiftungen auch in Zukunft ihre Namen beibehalten – also Volksbank Weinheim Stiftung und H + G Bank Stiftung. Hier deutete sich an, dass es beim Zusammenschluss zweier Genossenschaftsbanken nicht nur auf Zahlen, harmonierende Köpfe und Strategien, sondern auch auf Symbolik ankommt. Und so verkündeten die Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Scheffler (Weinheim) und Bernhard Müller (Kurpfalz) die Details der Vereinbarung, die seit August in fünf Gesprächsrunden im Sinne größtmöglicher Ausgewogenheit ausgehandelt worden sind.

Juristisch wird die Volksbank Kurpfalz mit Sitz in Heidelberg die Volksbank Weinheim übernehmen. Technisch soll es bei der Zusammenführung der Daten umgekehrt laufen. Das bedeutet für die Kunden der Volksbank Weinheim: Sie müssen bei ihrer Bankverbindung den „neuen“ Namen Volksbank Kurpfalz verwenden. Dafür behalten sie ihre bisherige Bankleitzahl und IBAN. Bei den Kunden der Volksbank Kurpfalz ist es umgekehrt: Der Name bleibt, aber Bankleitzahl und IBAN werden sich voraussichtlich ab September ändern.

Sowohl Heidelberg als auch Weinheim bleiben Vorstandssitz. Carsten Müller (Weinheim) und Ralf Heß (Kurpfalz) werden in Weinheim ihre Büros haben; Klaus Steckmann (Weinheim) und Michael Hoffmann (Kurpfalz) in Heidelberg. Sprecher des vierköpfigen Vorstands soll Carsten Müller (Weinheim) werden; Vorsitzender des Aufsichtsrates Bernhard Müller (Kurpfalz). Scherzhaft spricht mancher angesichts der gleichen Nachnamen auch von der „Müller-Bank“.

Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar 2020 erfolgen. Damit würde die „neue“ Volksbank Kurpfalz bereits für das Geschäftsjahr 2020 ihre erste Bilanz erstellen. Die Kosten der Fusion bezifferte Carsten Müller auf rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu käme dann noch die Grunderwerbsteuer für die Immobilien der Volksbank Weinheim, die von der Volksbank Kurpfalz zu zahlen sind.

All diese Vereinbarungen stehen freilich unter dem Vorbehalt, dass die Vertreterversammlungen (12. Mai Volksbank Weinheim; 13. Mai Volksbank Kurpfalz) beider Banken zustimmen. Die dafür erforderliche Mehrheit beträgt 75 Prozent plus eine Stimme. Am 19. September soll dann die „technische Fusion“ vollzogen werden.