Seite 1 - MM

Viernheim Franz Kain und Kabarett-Kollegen strapazieren Lachmuskeln ihres Publikums / Ausbilder Schmidt hält sich trotz zurück

Tiefgründige Fragen und klare Ansagen

Archivartikel

Glückshormone machen sich breit, den rund 300 Besuchern im Festzelt des Männergesangvereins 1846 steht ein Dauergrinsen im Gesicht: Für den humoristischen Höhepunkt beim Gartenfest sorgen am Sonntagabend der Weinheimer Kabarettist Franz Kain, Detlev Schönauer, bekannt durch seine Paraderolle als Bistrowirt Jacques und Holger Müller alias Ausbilder Schmidt.

Das Trio überzeugt das Publikum mit Alltagsgeschichten, Witzen, aber auch Zoten unterhalb der Gürtellinie. Für Kain, der die Veranstaltung organisiert hat, ist der Auftritt ein Heimspiel. Der Entertainer steht seit zehn Jahren auch als Solist auf der Bühne, beim MGV 1846 Viernheim ist es bereits sein sechster Besuch. Zuletzt hat sich der Weinheimer immer wieder Kabarett-Kollegen eingeladen, „damit ich nicht alles alleine machen muss“, wie er betont.

Kain selbst präsentiert Auszüge aus seinen Programmen „Ein Quantum Quellmänner“, „Die Welt is net genug“ oder „Kain allein daheim“. Viele ältere Geschichten werden noch einmal ausgegraben, „aber das macht nix, die meisten hier haben das ohnehin schon wieder vergessen“, sagt Franz Kain und nimmt damit sofort Kontakt zum Publikum auf.

Eines seiner Lieblingsthemen sind die Tupperpartys, bei denen Kains Frau Sachen mit lebenslanger Garantie gleich im Dutzend kauft, daheim aber schon Schränke und Schubladen überquellen und im Bedarfsfall die Deckel der Behältnisse nicht zu finden sind. Auch ein bekanntes Küchengerät steht im Fokus: Der Slogan „keine Suppe mehr aus de Bix, hast du einen Thermomix“ kann den Künstler genauso wenig überzeugen wie der Hinweis, dass selbst Männer diese Maschine bedienen könnten.

Noch direkter geht Ausbilder Schmidt, alias Holger Müller, zu Werke, wenn er die Bundeswehr ins Visier nimmt. „Was ist der Unterschied zwischen einer Ehefrau und einer Handgranate?“, will er wissen und gibt selbst die Antwort – nämlich keiner. „Wenn du den Ring abziehst, ist dein Häuschen weg!“ Das kommt vor allem bei den Herren im Festzelt gut an.

Mit dem Panzer angereist

Nach Viernheim sei er mit dem Panzer angereist, erklärt der Ausbilder, denn damit gebe es auf der Autobahn keine Probleme. „Wenn es wirklich einmal eng wird, gibt es statt einer Lichthupe eben einen Warnschuss.“ Die Frage des TÜV-Prüfers, wie alt sein Fahrzeug sei, konnte Schmitt nach eigenen Angaben nicht genau beantworten. Er habe nur gewusst: „Der war schon zweimal in Frankreich.“

Trotz der „Lizenz zum Anbrüllen“ hält sich der Soldat gegenüber den Viernheimern zurück. Wesentlich strenger geht er mit der Heeresführung um, weil dort vieles im Argen liege. „Wir müssen zufrieden sein, wenn uns Luxemburg nicht den Krieg erklärt.“ Es warte viel Arbeit auf die neue Verteidigungsministerin. Natürlich hat Ausbilder Schmidt auch Lösungsvorschläge parat. Weil es an Freiwilligen mangele, spricht er sich für den Aufbau einer Seniorenarmee mit der Bezeichnung Ü99 aus. Grund: „Das sind alles erfahrene Soldaten.“

Frankophil geht es beim Auftritt des Thekenphilosophen Jacques, mit richtigem Namen Detlev Schönauer, zu. In Viernheim gibt der gebürtige Mainzer den Bistrowirt mit Wohnsitz im Saarland. Stolz zeigt er sich auf die mittlerweile vier Minister in der Bundesregierung, die aus seiner Heimat stammen. „Das sind unser Annegret Kramp-Karrenbauer, Außenminister Heiko Maas und Peter Altmaier, denn der zählt doppelt“, so Jacques Rechnung.

Probleme habe er mit der modernen Sprachregelung, sagt Jacques: „Wegen der Diskriminierung darf man ja nicht mehr Zigeunerschnitzel oder Mohrenkopf sagen. Diebe muss man als Fachkraft für spontane Eigentumsübertragung bezeichnen.“ Da er sich schon im Rentenalter befinde, bezeichnet sich Schönauer als „Grabverweigerer“ und wundert sich über den Umgang mit den Mobiltelefonen. „Wir haben früher das Essen gegessen, heute wird es stattdessen fotografiert.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/viernheim