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Weinheim Spitzlicker bereiten sich auf das neue Programm „Fünf vor Zwölf“ vor / Premiere am 10. Januar in der Alten Druckerei

Vom „nixen“ und dem neuen Gender-Klo

Archivartikel

Im Film „Moderne Zeiten“ versuchte Charlie Chaplin schon 1933 die Uhr anzuhalten, um der Diktatur der Zeit ein Schnippchen zu schlagen. Für „Die Spitzklicker“ aus Weinheim ist es fast 90 Jahre später schon mehr als „Fünf vor Zwölf“, denn „die Uhr geht nach“ heißt es in ihrem 36. Programm.

Susanne Mauder, Markus König und Franz Kain treffen fast gemeinsam zum Pressegespräch in der „Alten Druckerei“ ein. Vor Kain liegt ein dicker Ordner mit Texten für das neue Programm. In den kommenden Wochen wird fast täglich geprobt, und auf der Bühne wird „noch e bissl mehr los sein“. Das sagt Patricia Kain. Franz Kains Tochter schmunzelt genau wie die drei Kabarett-Akteure, die sich auf die neue Zusammenarbeit mit der jungen Regisseurin freuen. Statt wie bisher Volker Heymann, wird Patricia Kain zusammen mit Felicitas Hadzik die Abläufe der Kabarett-Stücke flüssig in Szene setzen. Beide Frauen hatten schon in vorangegangenen Programmen bei der Choreografie von Liedern und kurzen Tanzszenen ihre Erfahrung als Musical-Darstellerinnen eingebracht. Nun haben sie Regie und Choreografie unter ihren Fittichen.

Volker Heymann schreibt weiterhin Texte für das Weinheimer Ensemble, genau wie Manfred Maser, Pianist Daniel Möllemann und die eigentlichen Kabarettisten, die von Francesco Bertolini und Melanie Reisig richtig ins Licht gesetzt werden. Die Zeiten haben sich geändert, der politische Ton ist rauer geworden. Auch bei den „Spitzklickern“, die eher zum feinen Florett als zum groben Schwert griffen, um Probleme aufzuzeigen. „Es gibt schon ein paar Texte, da muss man schlucken“, sagt Kain. Aber das ist offenbar auch ein kabarettistischer Auftrag, will man es noch schaffen, die Uhr auf Fünf vor Zwölf zurückzudrehen.

Im neuen Spitzklicker-Programm, das am 10. Januar in der „Alten Druckerei“ Premiere hat und für dessen gesamte Aufführungstermine am kommenden Montag der Vorverkauf im Kartenshop der DiesbachMedien beginnt, wird das Lobbyistentum gnadenlos aufgezeigt und natürlich das Umweltthema ausgiebig behandelt. „Man ist ja gewillt umweltbewusst zu sein, aber das ist gar nicht so einfach“, sagt Markus König und lächelt vielsagend. Die Zuschauer werden erfahren, dass hinter dem Begriff „nixen“ das Nichts tun steckt, das vor ähnlich schwierige Probleme stellt wie die Schaffung eines Gender-Klos.

Mauder, Kain, König und Möllemann weihen in die Geheimnisse eines WhatsApp-Dates ein und haben wieder einige Songs auf Lager. Und auf der Bühne wird, um es nochmals mit Patricia Kain augenzwinkernd zu formulieren: „E bissl mehr los“ sein.