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Thriller Harlan Cobens international erfolgreiche Erstlingswerke sind nach fast 30 Jahren nun auch auf Deutsch veröffentlicht

Von der Realität längst überholt

Archivartikel

Harlan Coben hat im Laufe der Zeit Dutzende Thriller geschrieben, darunter die Myron-Bolitar-Reihe. Doch die Bücher aus den Anfängen seiner Karriere gibt es erst jetzt als deutsche Ausgaben. „Totgesagt“ ist Cobens zweites Werk. Der Bestsellerautor ist in diesem Jahr auf dem deutschen Buchmarkt besonders präsent: Bereits im Februar erschien sein neuer Thriller „In ewiger Schuld“. Und nun hat der Goldmann-Verlag kurz nacheinander zwei Uralt-Werke des US-Amerikaners als deutsche Erstausgaben herausgebracht: Zunächst seinen Debut-Roman „Honeymoon“ aus dem Jahr 1990. Inzwischen gibt es auch sein zweites Buch „Totgesagt“ zu kaufen, dessen Original aus dem Jahr 1991 stammt.

Kokette Jugendsünden

Beide Altwerke waren auf Englisch bereits 2010/11 in unveränderter Form neu aufgelegt worden. Aus dieser Zeit stammen nach Auskunft des Goldmann-Verlags auch die teilweise identischen Vorworte, die der US-amerikanische Autor beiden Texten voranstellt und in denen er sie gewissermaßen als Jugendsünden darstellt. „Okay, wenn dies das erste Buch von mir ist, das Sie in der Hand haben, legen Sie es am besten gleich wieder weg“, empfiehlt Coben da. „Geben Sie es zurück. Suchen Sie sich ein anderes aus.“

Er selbst habe das jeweilige Buch seit mindestens 20 Jahren nicht mehr gelesen. Er habe es mit Anfang 20 geschrieben, „als naiver junger Kerl“, erklärt Coben. „Aber letztlich mag ich dieses Buch – mit all seinen Fehlern und Schwächen.“ Denn es habe „eine Risikobereitschaft, die ich heute nicht mehr besitze“.

In „Totgesagt“ geht es um eine Mordserie im Umfeld einer Klinik, die sich auf die Behandlung von HIV-Patienten spezialisiert hat. Die Mediziner haben bei geheim gehaltenen Forschungen offenbar ein Heilmittel gegen die tödliche Krankheit gefunden – doch gewisse Kreise scheinen mit allen Mitteln verhindern zu wollen, dass dies bekannt wird. Die TV-Journalistin Sara Lowell stellt Nachforschungen an – und ist plötzlich sehr persönlich involviert, als ihr Mann, der Basketballstar Michael Silverman, schwer erkrankt.

Mörderische Klinik

Die medizinische Rahmenhandlung von „Totgesagt“ ist natürlich inzwischen von der Realität überholt. Der Thriller spielt zu einer Zeit, in der die Aids-Forschung noch in den Kinderschuhen steckte und vorwiegend Angst und Vorurteile die öffentliche Diskussion zu dem Thema beherrschten. Das Schwarz-Weiß-Denken der Figuren mutet mit dem heutigen Wissen klischeehaft und dumm an.

Wenn man sich beim Lesen davon frei machen kann, ist „Totgesagt“ aber ein ganz ordentlicher Thriller: Leicht und flüssig zu lesen und in weiten Teilen zunächst spannend geschrieben. In Richtung Ende allerdings nimmt die Spannung ab, da die Auflösung zu umständlich angebahnt wird. Aber im Großen und Ganzen ist „Totgesagt“ gar nicht so schlecht für den Anfang einer langen Schriftstellerkarriere. dpa