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Pop Der Mannheimer 7er-Club präsentierte den Starschlagzeuger Carl Palmer mit seiner neuen Formation

Wahrhaft zeitlose Spielfreude und Virtuosität

Es hat einen Grund, warum Menschen wie Carl Palmer zur Rarität geworden sind. Denn wer gigantisches musikalisches Talent mit dem Willen vereint, die eigene Branche nachhaltig zu erschüttern, begibt sich auch selbst in das Räderwerk zwischen Genialität und Gigantismus. Dass man diesen Druck nicht nur überleben, sondern meisterlich besiegen kann, durfte ein ausverkauftes Haus jetzt aufs Imponierendste beobachten.

In der Hitze des Mannheimer 7er-Clubs beweist der 68-jährige Brite, dass das Vermächtnis der Band Emerson, Lake & Palmer (ELP) in Form von Carl Palmers Formation ELP Legacy lebendig bleibt. Das liegt auch an den zwei grandiosen Mitmusikern, die sich Palmer für seine Tournee mit uns Boot geholt hat. Simon Fitzpatrick erweist sich am Bass als graziler Gestalter, der fein ziselierte Klangfundamente schaffen kann, bei der epischen Interpretation von „Trilogy“ aber auch in dämonische Tiefen vordringt. Und auch Gitarrist Paul Bielatowicz zeigt sich in seinen Soli als ein wahrer Poet. Seine Interpretation von Bachs d-Moll-Fuge ist von ätherischer Schönheit, der durchgreifende Saitenanschlag bei den vollmundigen ELP-Klassikern ein Genuss.

Es sind Vorlagen, auf die Palmer streng genommen nur noch aufbauen müsste – mit seinem Können setzt der 68-Jährige dem Ganzen dann aber erst recht die Krone auf. Da mögen die Augenringe das Gesicht eines Mannes zieren, das von langer Karriere sichtlich gezeichnet ist: Zwischen fast schon bluesigen Momenten, die unmissverständlich an den Jazzer Gene Krupa erinnern, mächtigen Beckenhieben und den rasenden Drum-Stafetten zur King- Crimson-Nummer „21st Century Schizoid Man“ präsentiert sich ein rast-, aber keineswegs atemloser Carl Palmer. Er bezeugt eine solche Spielfreude und Virtuosität, dass man an ein Ende dieser Karriere noch nicht einmal denken will. mer