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Nachhaltigkeit Die Biologin Frauke Fischer von der Universität Würzburg setzt sich für „Grüne Wirtschaft ein“ / Buch „Der Palmöl-Kompass“ erschienen

Weil nichts in den Himmel wächst . . .

Archivartikel

Würzburg.Nichts in der Natur wächst ohne Unterlass. Alles hat seine natürlichen Grenzen. Und das, sagt Frauke Fischer vom Biozentrum der Universität Würzburg, gilt auch für die Wirtschaft: „Der Gedanke, dass sie immer weiter wachsen könnte, ist einfach völlig absurd.“ Der herrschenden Wachstumsideologie stellt sie die Alternative „Green Economy“ gegenüber. Für diese Idee engagiert sich die Biologin als Uni-Dozentin, Buchautorin sowie als Initiatorin mehrere Bildungs- und Sozialprojekte.

„Der Palmöl-Kompass“ lautet der Titel ihres neuesten Buches, das am 18. März im oekom-Verlag erschienen ist. Fischer verfasste das 176 Seiten starke Werk zusammen mit Frank Nierula, der bei ihr eine Masterarbeit zum Thema „Palmöl“ schrieb. „Daraus machten wir in den vergangenen zwei Jahren ein populärwissenschaftliches Werk“, erläutert die promovierte Biologin.

In vielen Produkten

Das Buch zeigt auf, warum Palmöl heute in zahlreichen Produkten vorkommt. Und warum das Öl so schädlich ist. Nicht nur, weil dadurch Regenwald zerstört wird: „Auf den Palmölplantagen werden Menschen zu Sklavenarbeit gezwungen.“

Palmöl steckt in Margarine und Seife, in Keksen, Pizza und Schokolade. Wer aus ethischen Gründen auf Palmöl verzichten möchte, darf, so Fischer, zum Beispiel keine Schokolade für 69 Cent aus dem Discounter kaufen. Dass es möglich ist, Schokolade anders zu produzieren, zeigt die Wissenschaftlerin vom Würzburger Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie zusammen mit dem Würzburger Biologen Arno Wielgoss mit ihrem Projekt „Perú Puro“. 2015 gründeten die beiden ihr Sozialunternehmen. Ziel ist es, Kakao produzierende Kleinbauern aus Peru zu unterstützen. Durch das Projekt erhalten inzwischen 45 Kleinbauern einen fairen Lohn, außerdem wird ihr Engagement für den Schutz des Regenwalds gefördert. Fischer: „Wichtig ist uns, dass die Bauern auch für sich selbst Lebensmittel produzieren, um nicht vom Export abhängig zu werden.“

„Perú Puro“ macht Frauke Fischer im Kampf für ein alternatives Wirtschaftssystem Mut. Denn das Projekt zeigte ihr, dass viele Menschen eine gerechte Wirtschaft wünschen.

„Als wir im Sommer 2017 ein Crowdfunding-Projekt für unsere Schokolade starteten, hieß es, dass wir es niemals schaffen werden, das Geld zusammen zu bringen“, erzählt sie. Zu jenem Zeitpunkt hatten Fischer und Wielgoss das Angebot einer Schweizer Schokoladenmanufaktur, die aus dem peruanischen Ur-Kakao eine besonders hochwertige Schokolade machen wollte. 25 000 Euro waren nötig, um hierfür eine Tonne Kakao zu importieren. Innerhalb weniger Tage war die Summe zusammen. „Werde Schokoheld!“ So lautete das Motto der Kampagne, bei der letztlich mehr als 51 000 Euro zusammen kamen.

„Immer mehr Menschen möchten Teil von solchen positiven Projekten sein“, stellt Fischer fest. Deshalb ist nach ihrer Ansicht auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ so erfolgreich gelaufen.

So hoffnungsvoll die vielen kleinen Initiativen wie „Perú Puro“, die Weltladen-Bewegung, „Transition Town“ oder die Repair Cafés stimmen – Fischer fordert, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Und zwar bald: „Sonst fährt unser System an die Wand.“

Skeptiker, für die ein Zusammenbruch des Wirtschaftssystems unvorstellbar ist, hält Fischer die Kabeljau-Katastrophe in Neufundland vor Augen. Jahrzehntelang waren die Gewässer vor Neufundland von nordamerikanischen und europäischen Fangflotten allen Warnungen zum Trotz überfischt worden.

Nicht in den Bilanzen

1992 musste ein Fang-Verbot ausgesprochen werden. 40 000 Fischer auf Neufundland verloren von heute auf morgen ihre Arbeit.

Die Wirtschaft ist nur deshalb so „erfolgreich“, weil die verursachten Klima- und Umweltschäden nicht in die Bilanzen der Konzerne eingerechnet werden, sagt Fischer. Die Gemeinschaft habe diese Kosten zu tragen, während sämtliche Gewinne allein von den Konzernen eingestrichen würden.

„Würde man die negativen Effekte des Wirtschaftens auf unser Ökosystem einrechnen, wäre keines der 20 international größten Unternehmen profitabel“, betont die Naturschutzexpertin.

Fischer selbst versucht vor allem, für das Thema „Plastikmüll“ als ein aktuell besonders gravierendes Umweltproblem zu sensibilisieren. „Eine Plastiktüte ist in einer Sekunde hergestellt und wird wenige Minuten verwendet, doch es braucht 400 Jahre, bis sie abgebaut ist“, sagt sie.