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Staatstheater Darmstadt

Weinöhl inszeniert Händels „Orlando“

Darmstadt.Seit Mitte des 16. Jahrhunderts rast „Orlando“ weltweit über die Opernbühnen. Georg Friedrich Händel begleitet in seiner Oper den krisenhaften Weg des Helden. Orlando liebt Angelica, doch Angelica liebt einen anderen. Der erfahrene Ritter überträgt nun die Eroberungsfantasien des Kriegers auf die des Liebenden, der seiner Angelica nachjagt. Als konditionierter Kriegsheld glaubt Orlando, auch die Geliebte einnehmen und erobern, ihre Gefühle unter seine Kontrolle bringen zu können – und sei es mit Kampf und Gewalt. Doch er rennt ohnmächtig gegen Wände, verliert seinen Verstand und wird zum wilden, um sich schlagenden Tier.

Traumatisierter Kriegsheld

Der Choreograf und Tänzer Jörg Weinöhl begreift für die Darmstädter Inszenierung, seine erste Arbeit als Opernregisseur, Orlando als traumatisierten Kriegshelden. Im Scheitern des Liebes-Feldzuges wiederholen sich für den Ritter die Traumata des Krieges und schließen ihn ein in einen tiefen Wahnzustand. Weinöhl und sein Team – Philipp Fürhofer (Kostüm & Bühne), Hannah Barbara Bachmann (Kostüm) – zeichnen hierfür ein dunkles Kraftfeld, das auch die anderen Protagonisten merklich erfasst: „Im Zentrum steht eine Figur, die wie ein schwarzes Loch funktioniert. Orlando reißt mit seiner Energie alles und jeden mit sich. Alle Figuren um ihn herum befinden sich in diesem Sturm, suchen ihren Weg, aber jeder für sich allein. Das ist kennzeichnend für das Stück, das keinen Halt geben will. Es gibt nur lose Begegnungen, die zu nichts führen und jeden für sich allein zurücklassen.“, erklärt Weinöhl.

Das Gesangsensemble um Owen Willetts, Julia Giebel, Julie Grutzka, Xiaoyi Xu, Johannes Seokhoon Moon und KS Elisabeth Hornung wird um zwei Tänzerinnen und einen Tänzer ergänzt, die einen Echoraum für Beziehungen und Handlung gestalten. Ihre Premiere feiert die Inszenierung am 18. Mai im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt. zg