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Weinheim Notfallambulanz in GRN-Klinik aufgeteilt / Ärztliche Direktorin Lelia Bauer: „Wir sind keine Corona-Teststation“

Wie die Ruhe vor dem Sturm

Archivartikel

So leer, so ruhig wie in diesen Tagen war es in der GRN-Klinik Weinheim lange nicht. Viele Parkplätze sind noch noch frei, die Stühle der Cafeteria vor dem Haupteingang sind leer. Angesichts der immer neuen Corona-Nachrichten fühlt es sich an wie die Ruhe vor dem Sturm.

So ganz falsch liegt man mit diesem Bauchgefühl wohl nicht, wie Klinikleiter Markus Kieser und die ärztliche Direktorin Lelia Bauer im Gespräch mit dieser Redaktion bestätigen. „Natürlich fragt sich jeder Mitarbeiter, was da wirklich noch auf uns zukommt“, beschreibt Kieser die Stimmung bei den Beschäftigten. „Da spürt jeder eine gewisse Anspannung“, räumt auch Bauer unumwunden ein. Umso wichtiger sei es jetzt, dass alle Mitarbeiter so umfassend und aktuell wie möglich informiert werden.

Allgemeines Besuchsverbot

Organisatorisch hat sich in der Klinik bereits einiges geändert. Vor dem Haupteingang weist unübersehbar ein Schild auf das allgemeine Besuchsverbot hin. Daneben ist ein Aushang, der die wenigen Ausnahmen erläutert . Zum Beispiel dürfen werdende Väter weiterhin ihre Partnerin in die Geburtshilfe-Abteilung begleiten und bei den Geburten dabei sein.

Wer in die Notfallambulanz möchte, darf zwar eintreten, steht neuerdings aber direkt danach vor einer provisorischen Schleuse: „Normale“ Notfälle dürfen ins Gebäude. Wer über hohes Fieber und/oder Atemwegsbeschwerden klagt, muss umkehren und einige Schritte um das Hauptgebäude herumgehen; neben dem Ärztehaus 2 befindet sich hier der neue - ebenfalls provisorische - Eingang für die zweite Notfallambulanz. „Damit wollen wir eventuelle Verdachtsfälle frühzeitig separieren“, erklärt Bauer diese Zweiteilung der Notfallambulanz, die auch mit einer Aufstockung des Personals in diesem Bereich verbunden ist.

Menschen mit grippeähnlichen Symptomen sollten aber weiterhin zu ihrem Hausarzt beziehungsweise – in den Abendstunden und an den Wochenenden - zum ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung gehen, der sich im Ärztehaus 1 befindet.

Kein Patient am Virus erkrankt

Um jedem Missverständnis vorzubeugen, betont die ärztliche Direktorin ausdrücklich: „Wir sind keine Corona-Teststation!“ Wer Sorge hat, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat, müsse wie bisher seinen Hausarzt oder direkt das für den Rhein-Neckar-Kreis und Heidelberg zuständige Gesundheitsamt unter 06221/5 22 18 81 kontaktieren.

Aktuell werde in der GRN-Klinik kein Patient stationär behandelt, der am Coronavirus erkrankt ist, erklärt Bauer auf Nachfrage. Aber das könne sich natürlich jederzeit ändern.

Der zweite organisatorische Schwerpunkt betrifft derzeit die Intensivstation, die in „normalen Zeiten“ durchschnittlich zu rund 80 Prozent ausgelastet ist, wie Klinikleiter Kieser erklärt. Durch das Aussetzen aller Operationen, die nicht akut notwendig sind, versuche man, hier für Entlastung zu sorgen. Darüber hinaus werde die Anzahl der Beatmungsplätze bis Ende März mehr als verdoppelt - hierzu werde nicht nur die Technik aufgerüstet, sondern auch das Personal aus anderen Bereichen geschult.

Die Kosten für alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Corona-Krise erforderlich sind, seien erst einmal sekundär, beantwortet der Klinikleiter die Frage nach den finanziellen Folgen für die Klinik: „Die Aufrechterhaltung des Betriebs steht im Vordergrund.“ Ansonsten vertraue er auf die Zusage von Bund und Land, die Krankenhäuser bei den Kosten nicht im Stich zu lassen.

Trotz aller Schwierigkeiten im Alltag gibt es aber auch in der GRN-Klinik Weinheim immer wieder schöne Momente. „Wir hören viel öfter als sonst ein Dankeschön für unsere Arbeit“, berichtet Bauer und fügt hinzu: „Es tut gut, die Wertschätzung der Menschen zu spüren.“ pro