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Weinheim Kulturgemeinde lädt in Stadthalle ein

Willy Loman wird zum Verlierer

Das Stück schrieb Arthur Miller schon 1949, doch es ist auch heute von beklemmender Aktualität: „Tod eines Handlungsreisenden“, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, ein Meisterwerk. In Zeiten von Hartz IV, weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrisen und des Diktats des Neoliberalismus wird es zu einer treffenden Charakterstudie eines Menschen, der in einer rein dem Profit und der Rendite verpflichteten Gesellschaft zum Verlierer wird. Das schreibt die Kulturgemeinde in einer Pressemitteilung.

Zu sehen ist das Drama mit Helmut Zierl in der Hauptrolle am Mittwoch, 12. Februar, ab 20 Uhr bei der Kulturgemeinde in der Weinheimer Stadthalle. Um 19.15 Uhr wird eine interessante Einführung in das Stück auf dem Balkon angeboten. Willy Loman ist nach Jahrzehnten zermürbenden Berufslebens alt geworden, die Verkaufszahlen sinken, seine Firma entlässt ihn. Halt sucht er bei seiner Familie vergebens, denn dieser ist der verschuldete Handlungsreisende schon längst fremd geworden. All seine Hoffnung hatte er auf seine beiden Söhne projiziert, doch beide sind in ihren Berufen gescheitert und sind genauso erfolglos wie der Vater.

Karten im Vorverkauf

Vergeblich versucht Linda, Willys Frau, die aufbrechenden Konflikte zu kaschieren. Als Loman auch von seinen Söhnen zurückgestoßen wird, sieht er nur noch einen einzigen Ausweg und fällt eine radikale Entscheidung. Millers Entlarvung des „American Dream“ als eines falschen Traums, der den Blick auf das eigene Leben verstellen kann, zeigt einen nicht wegzudiskutierenden Aspekt unserer aktuellen gesellschaftlichen Verwerfungen – die Lomans sind überall anzutreffen.

In einer psychologisch präzisen Charakterstudie zeichnet Miller in dramaturgisch höchst eleganten Überblendungen und Zeitsprüngen den Weg nach, an dessen Ende die Lomans angekommen sind.

Jede Aufführung des „Handlungsreisenden“ steht oder fällt mit dem Darsteller der Titelfigur: Helmut Zierl feilt diesen differenzierten Part mit intensiver Tiefenschärfe aus und brilliert in seinem ständigen Schwanken zwischen Euphorie, Zorn und Depression – am Ende sieht man einen gebrochenen, total erschöpften Mann. Tickets gibt unter wnoz.reservix.de