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Weinheim RNV nimmt Stellung zu den Vorwürfen von OB Manuel Just über Verzögerungen an der Baustelle „Postkreuzung“

„Wir bemühen uns nach Kräften“

Archivartikel

Das hat gesessen: Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just fand deutliche Worte gegenüber der RNV, die für die Ausführung der Arbeiten am Postknoten verantwortlich ist. Dass die Baustelle nicht wie ursprünglich geplant Ende September fertig sein wird, sei „inakzeptabel“. Denn die Baustelle an einem der neuralgischsten Knotenpunkte im Weinheimer Stadtverkehr sorgt immer wieder für lange Staus und verstopfte Straßen in der Innenstadt.

Die RNV, im Auftrag der Stadt Bauträger der Maßnahme und Auftraggeber der Baufirmen, ließ die Angriffe des Weinheimer Stadtoberhauptes weitgehend unkommentiert. „Wir können nur sagen, dass wir in enger Abstimmung mit der Stadt sind. Wir bemühen uns nach Kräften und so gut und so schnell, wie es nur geht. Wir tun unser Bestes“, sagte RNV-Sprecher Moritz Feier auf Nachfrage unserer Zeitung. Die RNV scheint den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden zu haben.

Justs Erklärung folgte am Donnerstag auch ein ausführliches Statement des Vereins „Lebendiges Weinheim“, der Interessenvertretung der Innenstadtkaufleute. Die Verzögerungen seien eine „Zumutung und inakzeptabel, hier wird eine Schmerzgrenze überschritten. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum bei einer von langer Hand geplanten Baumaßnahme in solch neuralgischer Lage Fristen nicht eingehalten werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins.

Auch Kritik an der Stadt

Wie weiter zu lesen ist, fürchten die Händler offenbar um ihr Weihnachtsgeschäft. „Innerstädtische Bauprojekte dieser Größenordnung und mit dieser Auswirkung auf die Verkehrsführung stellen für den ortsansässigen Einzelhandel schon bei planmäßiger Abwicklung eine enorme Belastung durch Frequenz- und Umsatzrückgang dar. Eine weitere Verzögerung ist in keiner Weise hinnehmbar.“ Dem Einzelhandel „darf man auf keinen Fall, gerade im Hinblick auf das bald anlaufende und enorm wichtige vierte Quartal, weiterhin die Frequenz durch Baustellen und Straßensperrungen abgeschnitten werden“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Der Appell an die Kunden könnte dringlicher nicht sein: „Gleichzeitig appelliert der Verein Lebendiges Weinheim an die Kundinnen und Kunden, den innerstädtischen Einzelhandel trotzdem weiter auf dem ,Einkaufszettel‘ zu haben, zumal dieser jetzt wieder besser mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar ist – und in Weinheim die erste Stunde Parken auf öffentlichen Parkplätzen und in den öffentlichen Parkhäusern keinen einzigen Cent kostet.“

In den sozialen Netzwerken wurde Justs Initiative durchaus kontrovers diskutiert. Einige lobten den Vorstoß des OB. Bea Lu kommentierte auf der Facebook: „Zur Zeit ist es echt eine Katastrophe hier in Weinheim. Ich muss mein Kind morgens bis über den Postknoten begleiten und nachmittags wieder abholen.“ Hilko S. hingegen bricht eine Lanze für die RNV. Er schreibt: „Herr Just macht es sich ein bisschen sehr einfach, wenn er jetzt die Flucht nach vorn ergreift und der RNV alle Schuld für das Verkehrschaos in seiner Stadt in die Schuhe schiebt. Die RNV hat viel Geld in der Stadt investiert, damit Weinheim auch in Zukunft einen leistungsfähigen Anschluss an den umweltfreundlichen ÖPNV erhält, und ist im Zuge dieser Bauarbeiten immer als verlässlicher Partner aufgetreten.“

Weiter schreibt er: „Die Baustelle am Postknoten ist wie eine Operation am offenen Herzen, weil hier ein zentraler Verkehrsknotenpunkt der Stadt direkt betroffen ist. Aufgrund mangelnder Umfahrungsmöglichkeiten staut sich der Verkehr, weil mögliche Alternativstrecken auch wegen Bauarbeiten dicht sind. Was fehlt, ist ein Umleitungskonzept (übrigens auch für Radfahrer), welches die entsprechenden Fachbereiche der Stadtverwaltung im Vorfeld hätten ausarbeiten können und müssen.“ vmr