Seite 1 - MM

Weinheim Noah Singer und Marco Appenroth designen T-Shirts und Pullover / Teenager setzen auf umweltfreundliche Rohstoffe und faire Löhne

„Wir wollen Nachhaltigkeit ohne Öko-Ruf“

Archivartikel

Ein eigenes Modelabel – diesen Traum haben sich Noah Singer und Marco Appenroth schon erfüllt. Seit einigen Monaten gibt es die T-Shirts der beiden Jungdesigner zu kaufen, dafür haben sie eine professionelle Homepage mit integriertem Online-Shop erstellt. Ihr Büro und Produktionsraum liegt in der Albert-Ludwig-Grimm-Straße: Der Coworking Space gehört zu „vorsprungat.work“, eine Unternehmensberaterfirma, die Singers Großcousin führt. Vormittags drücken die beiden 18-Jährigen die Schulbank, die Nachmittage und Abende gehören dem Projekt „Van Heyden“.

Aber alles auf Anfang: Dass sie in die Selbstständigkeit wollen, wussten Singer und Appenroth schon bevor es die Marke „Van Heyden“ gab. „Wir wussten, wir wollen etwas starten. Mode lag nahe, weil uns das alle interessiert“, erklärte Appenroth. Mit „alle“ bezieht er auch zwei ehemalige Mitstreiter ein, die mittlerweile nicht mehr an dem Projekt mitwirken. Eine große Rolle sollte auch die Nachhaltigkeit spielen, die derzeit genauso „en vogue“ ist, wie junge, aufstrebende Modelabels.

Wie schaffen es zwei Jungs, die zuvor noch nie ein Kleidungsstück haben produzieren lassen, eigene Produkte an den Markt zu bringen? Diese Frage stellten sich die zwei Weinheimer und fanden schnell erste Ansätze: „Unsere Anlaufstelle war ein lokales Unternehmen, das Bestickungen anbietet“, erklärt Singer. Aus einem Katalog suchten sich die beiden ein passendes Modell aus und ließen anschließend ihr Logo anbringen. Was sie mit ihrer Mode verkörpern wollen, darauf haben sich Singer und Appenroth im Vorfeld geeinigt: „Innerhalb unseres Freundeskreises gibt es den Hashtag #heydenlifestyle, der für extravagante und luxuriöse Dinge verwendet wird. Das ist auch das, für was unsere Marke steht – verbunden mit der Nachhaltigkeit“, sagt Singer.

Was die jungen Gründer motiviert, ist eine Alternative zu den marktführenden Modemarken zu bieten, die zwar mit hochwertiger Qualität werben und entsprechende Preise aufrufen, dieses Versprechen aber nur selten halten können. Von einer fairen Bezahlung der produzierenden Arbeiter in den Fabriken ganz zu schweigen. Der Pullover, an dem das Team gerade arbeitet und der im Dezember in den Verkauf geht, soll laut eigenen Aussagen „der am nachhaltigsten produzierte der Welt“ sein.

Zu Gast beim Textil-Mogul

Für dieses Vorhaben haben Singer und Appenroth Kontakt mit der Firma „Trigema“ in Burladingen bei Stuttgart aufgenommen. Wolfgang Grupp hat seinem Textil-Unternehmen, das er 1969 von seinem Vater übernahm, ein umweltschonendes Image auferlegt: regionale Produktion, faire Löhne und Sorgfalt gegenüber der Umwelt.

Nach einigen E-Mails und Telefonaten lud der Klamottenguru von der Schwäbischen Alb die zwei Weinheimer zu sich ein. „Eigentlich fertigt Trigema nur große Stückzahlen an“, erklärt Appenroth. Für „Van Heyden“ habe es aber eine Ausnahme gegeben.

Der Pullover soll dann die Zertifikate „Grüner Knopf“ und „Cradle to Cradle“, was „von Wiege zu Wiege“ bedeutet, und einen nachhaltigen Produktionskreislauf beschreibt, tragen.

Das Prinzip: Die Rohstoffe werden aus recycelten oder nachhaltig angebauten Materialien gefertigt; auch Wasserverbrauch und Umweltbelastung, etwa durch das Färben, spielen eine Rolle. Zwar werde sich der Nachhaltigkeitsanspruch im Preis widerspiegeln, womit Singer aber gelassen umgeht: „Andere Marken verkaufen Oberteile in wesentlich schlechterer Qualität für 120 Euro. Da liegen wir bei der Hälfte.“

Bisher sind die Schüler mit ihren Produkten zufrieden. Besonders von der Verarbeitung und den Materialien schwärmen beide. „Wir haben die T-Shirts öfter gewaschen und sie auch unseren Freunden zum Testen gegeben“, sagt Singer. Bleibt noch die Frage, wie sich „Van Heyden“ bei all der Konkurrenz im Modesektor durchsetzen will. Viele seien nur vermeintliche Konkurrenz, da sie entweder nicht die Nachhaltigkeitsansprüche erfüllen würden, oder eben nicht mit ansprechenden Designs punkten können. „Wir wollen ein nachhaltiges Label ohne Öko-Ruf sein“, sagen die Schüler.