Seite 1 - MM

St. Anton am Arlberg Neun Restaurants des Tiroler Urlaubsmekkas tragen Gault-Millau-Auszeichnungen / Einblicke in den opulenten Weinkeller Hospiz-Alm und die Küche des Hotels Gletscherblick

Wo die Lust auf Hauben keine Grenzen kennt

Martin Rofner überlegt kurz, als er nach seinem Leibgericht gefragt wird. „Die hausgemachte Lasagne meiner Schwiegermama“, antwortet der 33-Jährige und nimmt eine Gabel vom zarten Rindsgulasch mit Butterspätzle, die er von der Karte der Hospiz-Alm gewählt hat. Keine Frage: Auch die munden dem Skiguide. Die Hospiz-Alm in St. Christoph wartet – wie viele der Hütten in der österreichischen Urlaubsregion St. Anton am Arlberg – mit feinen Gerichten auf. Das Besondere: Hier werden nicht nur beliebte Tiroler Schmankerln aufgetischt, das Restaurant kredenzt Haubengerichte.

Die Hospiz-Alm gehört zu den insgesamt neun vom aktuellen Gault-Millau-Führer ausgezeichneten Haubenrestaurants in St. Anton am Arlberg. Tagsüber stärken sich die Skifahrer hier gern bei einem Einkehrschwung mit Tiroler Käsespätzle, Selchfleischknödeln mit Sauerkraut und Erdäpfelsuppe mit Würstel. Zumindest auf der Terrasse. Auf den Balkonen aalen sich Genießer auch schon mal bei Austern und Champagner in der warmen Frühlingssonne und geben sich ganz der Magie der weißen Berghauben um sich herum hin. Einmal im Monat wechselt die Gourmetkarte, erzählt Nicole Becker, unter anderem zuständig für das Marketing im „arlberg1800RESORT“, zu dem neben der Hospiz-Alm das Fünf-Sterne-Arlberg-Hospiz-Hotel mit seinen vier Restaurants zählt, eines ebenfalls haubenprämiert. 1000 Essen gehen am Tag in der Alm aus der Küche, am Abend sind es 120 Gourmetspeisen – dann auf Vorbestellung.

Was schon mittags auf der Terrasse zu beobachten ist, sind die Magnumflaschen, die geöffnet werden. Kein Wunder: Der Weinkeller ist legendär! Seniorwirt Adi Werner hat hier einen Schatz auf 1800 Meter Höhe angesammelt: Er besitzt eine beeindruckende Kollektion an Bordeaux- und Burgunder-Weinen in Großflaschen. 3500 Flaschen – von Doppelmagnumflaschen (3 Liter) bis Primat (27 Liter) – lagern hier, Werte von 400 bis 80 000 Euro. Hinzu kommen Flaschen im Bruderschaftsweinkeller des Hotels. Die 2000er Jahrgänge seien wie Gold, würden im Wert stetig steigen, erzählt Nicole Becker faszinierten Gästen.

Die Kräuterfee von der Sennhütte

Martin Rofner setzt zum Rindsgulasch auf ein isotonisches Getränk, wie sich das für einen Sportler gehört. Die Entwicklung seines Heimatdorfes in Sachen Tourismus verfolgt er mit Spannung, steckt als langjähriger Skilehrer, Tourenführer im Winter sowie im Sommer auch mit Bikes (www.radcompany.at) mittendrin, lebt davon. Sein Vater war auch schon Skilehrer in der Region. Als Kind der Berge freut er sich als Sohn einer Engländerin und mit einem australischen Onkel über den guten internationalen Ruf St. Antons. Das bringe viele Vorteile – auch für ihn. Er habe schon tolle Bekanntschaften in der Welt geschlossen. Und die Hauben haben ihr Publikum, ist er sich sicher.

Apropos: Wer mit Martin Rofner und seinen Kollegen der Skischule die ganze Skiregion erkunden möchte, braucht Energie. Über 300 Abfahrts- und 200 Freeride-Kilometer wollen während eines guten Winters, so wie in der nun zu Ende gehenden Saison, erobert werden. In der Frühlingssonne lohnt ein früher Start in den Pistentag: „Mit der Gampenbahn hoch, dann Richtung Nasserein fahren, rüber zur Galzigbahn und den Kandahar-Osthang nutzen, wenn es dann am späten Vormittag sulzig wird, rüber zum Rendl oder am Nachmittag am Schindler fahren“, gibt der Experte als Tipp mit.

Wem der „Haxenbrecher-Schnee“ im März/April gar nicht gefällt, der schwingt am besten gleich in die nächste Hütte ein – zum Beispiel in die Sennhütte. Bei Markus und Tanja Senn gibt’s regelmäßig Livemusik auf der Sonnenterrasse und Gesundes auf dem Teller. Denn Tanja hat sich der Kraft der Natur verschrieben. „Wir legen sehr viel Wert auf hausgemachte Kost und frische Zutaten. Gerne garnieren wir unsere Speisen mit frischen oder getrockneten Kräutern“, erzählt die Frau, die Trägerin der Auszeichnung „Natur im Garten“ ist. 46 verschiedene Minzarten, einen Teegarten, über 40 Löwenzahnarten – die quirlige Hüttenwirtin taucht geradezu in die Pflanzenkunde des Arlbergs ein und lässt diese um ihr Haus herum aufleben. Sie verarbeitet Alpenkräuter zu Tee, macht Schokolade und Sirups daraus, die sie neben weiteren Produkten verkauft. Und was sie als Kräuter-Lustmacher für Frau und Mann bereithält, das fragt man sie am besten bei ihren Führungen im Sommer selbst (www.sennsationell.at).

Ein Geheimtipp in der Gourmetwelt

Kräuter und Blüten spielen auch bei den raffinierten Kreationen von Küchenchef Paul Markovics im Wellnesshotel Gletscherblick eine Rolle. In der Alpin Gourmet Stube wird hier die moderne alpine Lebensart zelebriert – mit ausgezeichneten Speisen in herzlichem Ambiente. Zwei Hauben hat der niederösterreichische „Aufsteiger des Jahres“ im Haus von Familie Jehle-Kathrein erkocht. Die Gourmetkarte (Menü für 67 Euro) liest sich wie ein Reisebericht durch die Tier- und Pflanzenwelt der Erde. Auszug gefällig? Wie wär’s mit Amuse Bouche – Wald-Aromen: gebeizter Rinderrücken und Shii Take, eingelegte Buchenpilze, Zirben-Eis, Pilze als Gel und Mousse, Petersilie, Schwarzbrot mit Sauerklee? Oder mit schwarzem Sesam als Creme-Eis, Yuzu-Gel, Zitrus-Baiser, Jasmin-Blüten-Fond und Zitronen-Verbene? Souschef Tobias Stadler erzählt, dass alles täglich frisch zubereitet wird. Dazu hält Sommelier Manuela Zangerl besondere Tropfen bereit – etwa einen Roten Veltliner. Hotelchefin Sandra ist zudem stolz auf die beiden Töchter Johanna und Sophia, die ebenfalls im Haus mitwirken – Sophia kreiert die süßen Sünden. Zwar kann das Hotel nicht mehr mit einem Gletscherblick aufwarten – früher war von einem Fenster aus der Hohe Riffler, 3186 Meter, mit seiner einst weißen Haube zu sehen – dafür gehört es zu den Geheimadressen in Sachen erlesene Küche.

Zurück zur Hospiz-Alm. Bevor es wieder auf die Piste geht, nascht Martin Rofner noch mit vom Kaiserschmarrn. Der wird für die Gruppe am Tisch in der Pfanne flambiert und ist – auch ohne Haubenprämierung – schon immer ein Hit gewesen. Ofenfrische Lasagne steht übrigens auch auf der Alm-Karte. Aber hier setzt Martin Rofner auf seine Schwiegermama. Für ihn verdient deren Lasagne definitiv eine Auszeichnung.

Zum Thema