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Wucht aus dem Rückraum

Ines Ivancok und Carolline Dias Minto

Es war eine Szene aus der Anfangsphase des jüngsten Tests gegen den amtierenden deutschen Meister SG BBM Bietigheim, die verdeutlichte, dass das Spiel der Flames aus der zweiten Reihe mit Ines Ivancok flexibler wird. Einen kurzen Moment mit ausreichend Raum nutzte die österreichische Nationalspielerin, um hochzusteigen und aus acht, neun Metern abzuziehen. Der Ball flog nur haarscharf am Pfosten vorbei, die SG-Torhüterin zeigte keine Reaktion. Im Idealfall zappelt die Kugel nach einer solchen Aktion im Netz: leichte Tore. „Das ist mein Ding“, sagt die 21-Jährige.

Schnell Deutsch lernen

Ines Ivancok (1,80 Meter) im linken Rückraum, Carolline Dias Minto (1,85 Meter) im rechten – auf den Halbpositionen haben die Flames an Körperlichkeit gewonnen. Auch Carolline Dias Minto ist eine Kandidatin für diese leichten Tore aus der Distanz. „Genau“, antwortet die brasilianische Internationale auf Deutsch.

Nach wenigen Wochen bei den Flames versteht sie die wichtigsten Handballbegriffe und die Anweisungen auf dem Feld, erzählt die Linkshänderin. Deutschunterricht steht ganz oben auf ihrer Liste, die Sprache will sie möglichst schnell lernen. In Frankreich, wo sie zuletzt spielte, funktionierte das prima. Vier Monate hat sie benötigt, um sich gut verständigen zu können. Dieses Tempo erklärt sie mit den Gemeinsamkeiten von Französisch und Portugiesisch. Deutsch zu lernen wird schwieriger, vermutet sie. Vorerst wird weiterhin in Englisch kommuniziert.

Die 25-jährige stammt aus Cachoeiro de Itapemirim, einer 200 000 Einwohner-Stadt „in der Nähe“ von Rio de Janeiro. Wie nah? „Nur fünf Stunden mit dem Auto, mit dem Flugzeug noch weniger.“

Sie vermisst ihre Familie und Heimat, aber brasilianische Handballerinnen müssen nach Europa gehen, um etwas erreichen zu können, erläutert sie. Die Kraft, um diesen „nicht immer leichten“ Weg bestreiten zu können, zieht die Christin aus ihrem Glauben. „Gott ist meine Stütze.“

Ihre sportlichen Qualitäten konnte Carolline, anderes als Ines, bislang nicht unter Beweis stellen. Das fehlende Visum hatte einen Einsatz für ihren neuen Club während der Vorbereitung verhindert. Dabei hatte sie im Sommer auf die Teilnahme mit dem brasilianischen Nationalteam bei den Panamerikanischen Spielen verzichtet, um alle Formalitäten rund um ihre Spielberechtigung für die HSG frühzeitig zu regeln. Über gute Leistungen bei den Flames möchte sich „Caro“ das Ticket zu den Weltmeisterschaften Ende dieses Jahres und die Olympischen Spiele 2020 sichern.

Endlich mehr Spielanteile

Ines Ivancok will nach zwei Jahren im hochprofessionalisierten Luxus-Ensemble der SG BBM Bietigheim mit eingeschränkten Einsatzzeiten nun bei den Flames mit vielen Spielanteilen durchstarten. „Ich habe in Bietigheim bewiesen, dass ich es kann, das will ich hier nun dauerhaft zeigen.“

Wie schon bei ihrem Wechsel von Österreich nach Bietigheim ist Ines mit ihrem Freund an die Bergstraße gekommen. Karlo Soltic ist nun für die Fußballer der TSV Auerbach aktiv. Dass sie auch diesen Umzug gemeinsam anpacken, war für Karlo selbstverständlich, berichtet Ines. „Er hat gesagt, er geht mit mir überall hin, wo ich mich wohlfühle.“