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Weinheim Kulturgemeinde schließt das Jahr 2019 mit einem Defizit von mehr als 92 000 Euro

Zuschuss soll Löcher stopfen

Archivartikel

Das Drama geht weiter: Die Stadt Weinheim will die Kulturgemeinde erneut mit einem Zuschuss unterstützen, dieses Mal geht es um 92 100 Euro. So hoch ist das Defizit, das Ende 2019 steht. Und das, obwohl zu dem regelmäßigen städtischen Zuschuss in Höhe von 150 000 Euro der Gemeinderat Anfang vergangenen Jahres eine Ausfallbürgschaft der Stadt in Höhe von 40 000 Euro genehmigte.

Es war eine Art Rettungsschirm für den Verein Kulturgemeinde, der allerdings nichts gebracht hat. Im Gegenteil: Heute steht fest, dass nach der „letztmaligen Gewährleistung“ des allgemeinen Zuschusses der Theaterbetrieb der Kulturgemeinde in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter bestehen kann. Das hat der Verein auch schon selbst erkannt, weshalb er die Stadt bereits darum bat, die Tätigkeiten der Kulturgemeinde zu übernehmen.

Hierfür wird aktuell ein Konzept von der Kulturgemeinde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Touristik, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet, für dessen Ziel die schon viel zitierte Eier legende Wollmilchsau Pate stehen müsste: ein modernes Theaterangebot für unterschiedliche Zielgruppen bei einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.

Dies alles soll in einem Weinheimer Kulturkonzept verankert werden – so ist es in der Vorlage für die nächste Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch zu lesen. Diese Konzeption spielt in der Sitzung jedoch keine Rolle, sie wird dem Kulturausschuss in seiner Sitzung im April vorgelegt.

Stimmt der Gemeinderat zu?

Nun ist der Gemeinderat gefordert, der laut dem Vorschlag der Verwaltung einer rückwirkenden und vollständigen Übernahme des Defizits in Höhe von 92 100 Euro zustimmen soll. Macht er es nicht, sieht es düster aus für die Kulturgemeinde. Die Spielzeit 2020/21 könnte nicht durchgeführt werden und somit würden auch sämtliche Einnahmen durch die Theaterabonnements und den freien Verkauf wegfallen. Dies waren in der Vorsaison immerhin 165 000 Euro – ohne das Geld wäre erst einmal Schluss mit Veranstaltungen der Kulturgemeinde in der Weinheimer Stadthalle. Außerdem müsste der Verein Konkurs anmelden; mit in den Sog würde auch der Kammermusikverein gezogen werden, der mit der Kulturgemeinde verknüpft ist.

Dass es dem Verein finanziell nicht gut geht, war schon länger bekannt. Anfang des vergangenen Jahres wurde die ganze Dramatik bekannt, es wurde erstmals von einer möglichen Insolvenz gesprochen. Die städtische Ausfallbürgschaft, durch die die Saisonplanung gesichert wurde, sorgte fürs Erste für Ruhe, es folgten verschiedene weitere Maßnahmen, um den Betrieb zu sichern; leider ohne durchschlagenden Erfolg.

Es ist das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass es in Weinheim um die Rettung der Kultur geht. Erst Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass auch das Café Central schwere Zeiten durchlebt, hervor gerufen auch aufgrund einer im Verhältnis betrachtet massiven Mieterhöhung durch die Stadt. Ein Entgegenkommen der Verwaltung gab es mit der Zusage auf punktuelle finanzielle Unterstützung einzelner Veranstaltungen und dem Vorschlag, einen Förderverein zu gründen; Letzteres ist aber nicht möglich.

Nun hat das eine – auf den ersten Blick – nichts mit dem anderen zu tun. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich, dass Kultur in Weinheim mit unterschiedlichen Maßstäben bewertet und ein ganzheitliches Kulturkonzept dringender denn je benötigt wird.