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Bestattung in Zeiten von Corona

Archivartikel

Abschied nehmen: Eine Beisetzung in kleiner Runde kann auch befreiend sein

„Muss man sich jetzt – wegen Corona – verbrennen lassen?“ Diese Frage wurde wohl den meisten Bestattern in den letzten Monaten immer wieder gestellt. Nein, ist die Antwort. Sie können sich nach wie vor für eine Feuer- oder Erd- oder Seebestattungen entscheiden. Auch die Fristen, in denen Bestattungen stattfinden sollen, sind gleichgeblieben. Möglichst innerhalb 96 Stunden – in der Praxis meist innerhalb einer Woche – soll eine Erdbestattung erfolgt sein. Bei der Beisetzung einer Urne lässt das Hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz neun Wochen nach Einäscherung Zeit.

Geändert hat sich aber die mögliche Teilnehmerzahl bei Bestattungen. Diese ist je nach Größe der Trauerhalle im Landkreis unterschiedlich. Während in einigen Hallen nur 16 Teilnehmer erlaubt sind, sind es an anderen Orten 45. In jedem Fall gilt die Einhaltung der Abstandsregelung.

In der Praxis sind manche Familien fast erleichtert, dass eine Feier im engsten Kreis stattfinden muss. Denn während die einen gerne eine große Anzahl von Menschen sehen, die den Toten die letzte Ehre erweisen, sind andere gerne lieber in kleiner Runde ganz für sich. Sie würden sich aber unter Nicht-Corona-Bedingungen kaum trauen, das so zu sagen, um niemanden vor den Kopf zu stoßen.

Emotionen freien Lauf lassen

Gerade in den ersten Wochen der Beschränkungen, in denen nur fünf Teilnehmer bei Trauerfeiern – und auch dann nur im Freien – zugelassen waren, brauchte es sehr viel Kreativität, eine Beisetzung oder Trauerfeier alternativ zu gestalten.

Bestatter erleben in dieser Zeit der Begrenzungen einmal mehr, dass ein würdiger Abschied nicht von der Anzahl der teilnehmenden Personen abhängt, sondern davon, wie viele Gedanken sich die Angehörigen machen, was der oder die Verstorbene gewollt hätte, was zu ihm oder ihr passt.

In kleiner Runde werden die gewählten Worte manchmal offener und emotionaler, die Musik unkonventioneller, die Trauerkleidung unwichtiger. Manchmal traut sich dann auch der ein oder andere eigene Worte zu sagen, die in großer Runde nie möglich gewesen wären, manchmal dürfen die Tränen freier fließen, weil eben nicht so viele zuschauen.

Corona setzt Grenzen: im Alltag und damit natürlich auch bei Trauerfeiern, aber eine würdevolle Bestattung ist immer möglich. red/Grant