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Individuell trauern in Zeiten der Pandemie

Archivartikel

Schmerzbewältigung: Trauerschmuck und besondere Rituale helfen

Wer trauert, braucht andere, die ihn emotional auffangen – in Gesprächen oder durch tröstliche Umarmungen. Auch ein gemeinsames Abschiednehmen an einem bestimmten Ort, auf dem Friedhof oder im Wald, kann bei der Bewältigung des Schmerzes helfen.

Doch die Corona-Pandemie hat diese bekannten Rituale verändert, manche fallen zurzeit sogar weg. Es gab etwa lange keinen Beerdigungskaffee und bis heute werden sie in minimalem Rahmen gehalten – mit vielen Regeln. Zum Beispiel muss die Trauergesellschaft klein bleiben. Bestatter machen die Erfahrung, dass dies gerade Menschen bedrückt, die immer gern in Gemeinschaft waren.

Vielen Angehörigen ist es noch nicht einmal vergönnt, von ihren sterbenden Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten und Freunden Abschied zu nehmen, weil sie das Hospiz, Krankenhaus oder Altenheim nicht betreten dürfen. „Wenn dann noch See- oder Waldbestattungen stattfinden, haben Trauernde es schwer, ihre Gefühle zu verarbeiten, sie müssen eigene Wege dafür finden“, sagt Expertin Eva Deppe.

Sie kennt sich mit der individuellen Bewältigung von Trauer aus, denn ihr Unternehmen stellt Trauerschmuck her. Das sind Schmuckstücke, in die in einer unsichtbaren Kammer Haare, Blüten oder Asche des Verstorbenen eingeschlossen sind.

Eine weitere Möglichkeit, persönliche Erinnerungen mit sich zu tragen, ist ein kleines Schmuckstück, das Arm oder Hals schmückt. Auf ihm befindet sich der mit einem Laser aufgetragene Fingerabdruck des Verstorbenen.

Die speziellen Schmuckstücke aus Edelstahl, zum Teil mit Gold- und Silberakzenten, werden von Bestattern gefüllt. Das kann – auf Abstand – mit den Hinterbliebenen als eine Art Zeremonie stattfinden. Ist das Schmuckstück verschlossen, kann es nicht wieder geöffnet werden. Für die Platte mit den Fingerabdrücken des Verstorbenen werden diese mit einem Spezialverfahren abgenommen. Digital oder mit der Post können die Daten übermittelt werden.

Das Tragen von Trauerschmuck kann den Abschied gerade in diesen schwierigen Zeiten erleichtern. Denn so trägt man ein Teil des Verstorbenen immer unauffällig mit sich.

Diese Art der Bewältigung reiht sich in andere Zeremonien ein, die auch während der Pandemie möglich sind – zum Beispiel zu bestimmten Tageszeiten die Lieblingsmusik des verstorbenen Freundes hören oder auf dem Balkon der früheren Wohnung ein Licht entzünden. djd