Sonderthema

Lange Nacht geht neue Wege

Archivartikel

Veranstaltung: Genussboxen für die heimischen vier Wände

Die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse“ verbindet Kultur und Kulinarik mit dem Kennenlernen von Geschäften in Mannheimer Stadtteilen. Normalerweise. In diesem Jahr ist das anders. Die Läden bleiben geschlossen. Trotzdem geht es weiter.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir nicht aufgeben“, sagt Gerhard Engländer. Der Inhaber des gleichnamigen Modehauses in Sandhofen gehört zu den Organisatoren der „Langen Nacht der Kunst und Genüsse“. Die wird trotz der Corona-Pandemie am Samstag, 7. November, stattfinden – aber völlig anders.

Engländer hatte die „Lange Nacht“ 2004 in Sandhofen ins Leben gerufen, um „dem Trüben und Traurigen am November einen leuchtenden Akzent entgegenzusetzen“, wie er mal sagte. Dann zog die Idee Kreise. Zuletzt beteiligten sich zwischen 200 und 250 Geschäfte in fast allen Mannheimer Vororten.

Sie rollen ihren Kunden an diesem Abend traditionell einen roten Teppich aus, engagieren Künstler oder Musiker, präsentieren ihre Angebote in lockerer Atmosphäre bei Getränken und Essen. Mit Holger Schmid, Geschäftsführer der Firma SOS-Medien und ML-Stadtrat, sowie Hartmut Walz, lange im Bund der Selbständigen (BDS) Wallstadt tätig, organisierte Engländer den Rahmen der Veranstaltung. Vor Ort übernahmen die Gewerbevereine die Verantwortung.

In diesem Jahr wäre eine Veranstaltung, um den Handel in den Vororten anzukurbeln, eigentlich nötiger denn je, ist sich das Trio einig. „Zäh, sehr zäh“ laufe das Geschäft, so Engländer: „Die Masken, die allgemeine Verunsicherung – jeder erledigt nur, was er unmittelbar braucht“, erzählt er. „Die Nacht wäre das 16. Mal gewesen“, sagt Hartmut Walz ein bisschen wehmütig. Doch es sei „klar, dass es nicht wie in den Vorjahren laufen kann“, so Engländer. Das alte Konzept sei nach Ansicht von Holger Schmid „nicht zu verantworten“.

„Die Grundidee ist ja, dass etwas in den Geschäften stattfindet, aber in viele Läden dürfen nach Corona-Regeln maximal zwei oder drei Kunden gleichzeitig rein – und sich keine 60 Leute drängeln“, erklärt er.

Zugleich habe man aber „den Termin auch nicht ganz aufgeben wollen, denn das hat sich ja eingebürgert“, sagt Hartmut Walz. „Wir möchten den Kunden zeigen: Wir sind weiter für Euch da, wir sind kreativ“, betont Engländer. Daher erarbeiteten die Geschäftsleute das Konzept für eine „Lange Nacht der Kunst und Genüsse @Home“.

Damit jeder zu Hause dann auch an die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse“ denkt, werden die Geschäftsleute Kartons im bekannten Design der Großveranstaltung produzieren. Diese sind mit lokalen Spezialitäten gefüllt, die den entgangenen Nachtbummel ein wenig kompensieren. Jede Box enthält zudem einen nummerierten Reisegutschein. Als Hauptpreis sponsert das Reisebüro Rihm eine Wochenend- oder Wellnessreise für zwei Personen,

Erhältlich sind die Boxen jetzt schon in vielen Geschäften in den Vororten. „Manche Läden werden sie auch als Werbegeschenke nutzen – damit kann man punkten bei Kunden“, ist Engländer überzeugt.

Im nächsten Jahr, so hoffen die Organisatoren, werde man „so weit das Leben mit dem Virus gelernt haben“, wie es Holger Schmid formuliert, dass die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse“ wieder wie gewohnt stattfinden könne. Wer in diesem Jahr am 7. November öffne, sei aber nur Trittbrettfahrer und „definitiv kein Partner von uns“, wie er klarstellt. pwr/red