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So werden Angehörige zu Experten

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Demenz: Krankenkassenkurse für mehr Kompetenz und bessere Versorgung

In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, viele davon im Kreis ihrer Familie. Die Krankheit stellt Betroffene wie Angehörige vor große Herausforderungen im Alltag. Wie mit der eigenen Mutter reden, die einen nicht immer erkennt? Wie die Geduld nicht verlieren, wenn Dinge wieder und wieder gesagt werden müssen? Und wie dazu beitragen, dass die Erkrankung möglichst langsam fortschreitet? Um Angehörige stark und kompetent zu machen, ermöglichen einige Krankenkassen ihren Versicherten jetzt kostenlose Intensivkurse.

Der erste Schritt: Die Krankheit verstehen

Krankenkassen bieten beispielsweise Kompaktkurse zum Thema „Demenz Partner“ an. „Darin werden nicht nur grundlegende Kenntnisse über die unterschiedlichen Demenzformen, den Verlauf und die Behandlung der Krankheit vermittelt, sondern vor allem handfeste Tipps gegeben, wie der Alltag mit einem Betroffenen sinnvoll gestaltet werden kann“, sagt Maren Soehring, Expertin einer Krankenkasse. Durchgeführt werden die Schulungen von fundiert ausgebildeten Pflegeberatern. Teilnehmen können auch Interessierte, die nicht unmittelbar betroffen sind: „Wir möchten dadurch Hemmschwellen im Umgang mit der Erkrankung abbauen und alle besser informieren.“

Bereits 2016 hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gemeinsam mit dem Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministerium die Initiative „Demenz Partner“ ins Leben gerufen. Seither haben mehr als 45 000 Menschen an den Kursen teilgenommen. „Sensibilisierte Mitmenschen tragen entscheidend dazu bei, dass Betroffene mit Demenz sicher und selbstbestimmt leben können“, sagt Maren Soehring.

Gesundheitspotenziale aktivieren

Aktuell ist außerdem noch ein weiteres Projekt gestartet, das Tablet-Programm „Media4Care“, das Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland während der Pilotphase kostenlos nutzen können. Es umfasst rund 700 Beschäftigungsangebote, mit denen die körperlichen, kognitiven und psychosozialen Fähigkeiten der Betroffenen geschult werden. Ziel ist es, die oft großen Gesundheitspotenziale von Demenzpatienten in Betreuungseinrichtungen zu aktivieren und möglichst lange zu erhalten – durch Rätsel, Gedächtnistrainings, Alltags- und Aufmerksamkeitsspiele. djd/imp