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Verstorbene verabschieden

Archivartikel

Trauerkultur: Steinmetze und Bestatter bieten neue Bestattungs- und Trauerformen an

Der letzte Abschied von Angehörigen ist etwas sehr Persönliches: Viele Trauernde gestalten ihn deshalb individuell. Das kann in Form einer schönen Rede passieren oder mit einem besonderen Grabstein. Erlaubt ist dabei allerdings nicht alles, was angeboten wird warnt Oliver Wirthmann vom Kuratorium für Deutsche Bestattungskultur. Trauer brauche jedenfalls einen Ort des Gedenkens. Das Bestattungsgesetz besagt, dass jeder Verstorbene in einem Sarg oder einer Urne auf einem Friedhof beigesetzt werden muss. Doch es gibt weitere Bestattungsformen, die in Deutschland zugelassen sind: Dazu zählt unter anderem die Seebestattung.

Seebestattung spiegelt Leben wieder

Da Menschen zunehmend mobiler werden, spielt ihr Leben sich nicht mehr nur an einem Ort ab. Rolf Matthießen, Vorstandsmitglied der Deutschen See-Bestattungs-Genossenschaft, sieht darin einen Grund, weshalb Trauernde die Asche eines Verstorbenen dem Meer übergeben: „Viele sagen: Meine Verbundenheit mit dem Verstorbenen ist überall dort, wo ich an die See gehe.“ Viele Tote, die so bestattet würden, hätten sich zu Lebzeiten ebenfalls eng mit der See verbunden gefühlt. Nach der Einäscherung übergeben Bestatter die Überreste des Verstorbenen an ein Seebestattungsunternehmen. Die Asche wird in eine wasserlösliche, mit Blumen geschmückte Urne gefüllt und meist von einem Kapitän der See übergeben. Ins Meer gestreut wird die Asche nicht. Viele Seebestattungsunternehmen bieten jährliche Gedenkfahrten zum Bestattungsort an.

Individueller Sarg

Eine weitere Möglichkeit zur individuellen Gestaltung ist ein bemalter Sarg. Dabei müssen Angehörige nicht auf das traditionelle Familiengrab verzichten. Viele freischaffende Künstler bieten diesen Service an – zum Beispiel Antje Homrighausen. Der spannendste, findet sie, war die Bemalung eines Sarges mit der Familie eines verstorbenen jungen Vaters. Frau und Kinder haben mit der Künstlerin zum Pinsel gegriffen. „So etwas würde ich mir mehr wünschen, weil das auch eine Trauerarbeit ist. Aber das erfordert sehr viel Mut bei den Leuten“, sagt Homrighausen. Diesen Mut brächten vor allem jüngere Leute auf: Sie sind meistens die Auftraggeber der Künstlerin. Viele wollen dem Verstorbenen zum Abschied noch etwas Gutes tun: „Da malen wir etwas auf die Urne, worüber er sich gefreut hätte.“

Im Abschiednehmen begleiten kann den Trauernden neben Sarg oder Urne aber auch ein Gedenkobjekt. Das kann ein Schmuckstück oder ein Erinnerungsfoto sein. Auch hier gibt es extravagante Varianten, die viele Bestatter im Angebot haben.

Besondere Grabsteine

Auf Wunsch nehmen viele Bestatter einen Fingerabdruck von Verstorbenen, der später weiter verarbeitet werden kann. Der Fingerabdruck werde am Ende meist als Schmuckstück, zum Beispiel als Amulett oder als Kettenanhänger getragen, erklärt Prof. Reiner Sörries vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Auch Steinmetze würden den Fingerabdruck oft vergrößert in Grabmale einarbeiten, fügt der Theologe hinzu.

Eine Kette mit einem Anhänger, in dem sich Haare oder Asche eines Verstorbenen befindet, ist eine weitere Möglichkeit, ein Erinnerungsstück direkt am Körper zu tragen. Solche Schmuckstücke werden dezent am Arm oder um den Hals getragen. Immer mehr Bestatter bieten diese Möglichkeit zur Trauerbewältigung an.

djd/imp