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„Wettkampfgefühl in Region bringen“

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Interview: Wettkampfleiter Jürgen Hilberath blickt im Gespräch auf die virtuelle Radserie

Jürgen Hilberath ist Wettkampfleiter des RömerMan-Triathlons in Ladenburg und Geschäftsführer des BASF-Triathlon-Cups Rhein-Neckar (TCRN). Diese Serie umfasst normalerweise Rennen in Mußbach, Maxdorf, Ladenburg, Heidelberg und Viernheim mit ebenso attraktiven wie selektiven Radstrecken durch den Pfälzer Wald und Odenwald. Vier dieser Touren virtuell abzubilden und nachzufahren, geht auf eine Initiative Hilberaths zurück.

Herr Hilberath, wie kamen Sie auf die Idee, die Tour virtuell abzubilden?

Jürgen Hilberath: Nachdem wir den RömerMan wegen Corona zeitig absagen mussten, haben wir im Organisationsteam überlegt, was wir stattdessen machen können.

Warum war Ihnen das wichtig?

Hilberath: Die Sportler haben sich vorbereitet und auf den Wettkampftag am 18. Juli gefreut. Das zeigt sich auch daran, dass die Veranstaltung innerhalb von 35 Minuten ausgebucht war. Die Absage hat zwar jeder verstanden, aber wir wollten die Athleten nicht mit dieser negativen Botschaft alleine lassen. So kam die Idee auf, das Wettkampfgefühl nach Ladenburg und in die Region zu bringen, indem wir den Cup virtuell abbilden. Dazu muss man wissen, dass das Thema E-Racing im vergangenen Jahr stark nach vorne gekommen ist.

Woran liegt das?

Hilberath: Ein Beispiel mag das veranschaulichen: Bei einstelligen Temperaturen im Winter fahre ich lieber eine Stunde auf der Trainingsrolle drinnen und habe einen höheren Trainingseffekt als bei widrigen Umständen draußen. Gegen die Monotonie beim Indoor-Strampeln zeigt die entsprechende Internetplattform Strecken auf den Bildschirm vor mir, vorausgesetzt ich habe Bluetooth-Verbindung. Da liegt die Idee zum E-Race nahe.

Wie ging es bei der Planung weiter?

Hilberath: Auf meine Anfrage bei Rouvy, einem der marktführenden Anbieter von Trainingssoftware, erhielt ich tags darauf eine Einladung zur Videokonferenz mit dem Hauptgeschäftsführer. Der fand das spannend, und so kam es zur Partnerschaft.

Hatte der Anbieter die RömerMan-Radstrecke durch den Odenwald in petto?

Hilberath: Nein, ich selbst bin die RömerMan-Strecke jeweils mit befestigter Kamera zweimal auf dem Rad und zweimal im Auto abgefahren, um ein reales Abbild zu schaffen.

Und das funktioniert?

Hilberath: Ja, jeder sieht seinen eigenen Avatar vor sich in der jeweiligen Umgebung auf der Strecke. Man sieht immer, wo man sich befindet, auch wenn man Minuten hinter dem Führenden liegt. Die Software stellt den Widerstand auf dem Smartbike so ein, dass du glaubst, du fährt die 21-prozentige Steigung bei Dossenheim wirklich hoch. Man muss aber vorher sein korrektes Körpergewicht eingeben, damit die Leistungsmessung richtig arbeitet.

Stichwort führende Fahrer und Fahrerinnen: Wer macht mit?

Hilberath: Es kann von zuhause aus jeder mitmachen, der einen Internetadapter am Ergometer und sich auf der Rouvy-plattform angemeldet hat. Damit Wettkampfgefühl aufkommt, sind Topstarter und ehemalige TCRN-Sieger dabei. Zum Beispiel macht der vierfache RömerMan-Sieger und dreifache Cupgewinner Florian Angert bei sich zuhause im Keller mit. Er bereitet sich auf den IronMan 2021 auf Hawaii vor. Wenn am 26. Juli der Königstuhl in Heidelberg zweimal virtuell zu bezwingen ist, soll die IronMan-Siegerin und amtierende Weltmeisterin Anne Haug mit am Start sein.

Machen sie selbst als ehemals international aktiver Triathlet auch mit?

Hilberath: Nicht auf der Rolle, aber im Studio: Ich kommentiere die Veranstaltung auch am Samstag, 18. Juli, von der Wollfabrik in Schwetzingen aus zusammen mit dem bekannten Moderator Wolfgang Grünwald vom Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF). pj