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Handball Beim Topspiel-Sieg in Magdeburg meldet sich der nachverpflichtete Löwen-Torwart Nikolas Katsigiannis mit wichtigen Paraden in der Saison an

Angekommen mit Anlauf

Archivartikel

Magdeburg.Vorbildlich verdeckte die Maske den Mund und die Nase von Nikolas Katsigiannis, als er am Mittwoch durch die Katakomben der Magdeburger Arena lief – was bei allem Pflichtbewusstsein des Torwarts der Rhein-Neckar Löwen dann doch ein wenig schade war. Denn nur zu gerne hätte man sein ganzes Gesicht, seine komplette Erleichterung gesehen, die an diesem Abend so unendlich groß gewesen sein muss wie bei einem Jugendlichen nach bestandener Führerscheinprüfung. So aber konnte man die Freude des Keepers nur in seinen Augen lesen – und aus seinen Worten hören.

„Das habe ich gebraucht“

„Das war genau das, was ich gebraucht habe. Ein Erfolgserlebnis, um Selbstvertrauen zu tanken“, sagte der fünfmalige deutsche Handball-Nationalspieler, dem beim 33:31-Auswärtssieg über den SC Magdeburg eigentlich schon früh keine Hauptrolle mehr zugedacht war. Nach 17 Minuten und zwölf Gegentoren bei zwölf Versuchen des Gegners war sein Arbeitstag im Prinzip vorzeitig beendet, als der 18-jährige David Späth für ihn übernahm. Wie schon zuvor gegen Balingen.

Doch diesmal kam der als Ersatz für die verletzten Mikael Appelgren und Andreas Palicka geholte Katsigiannis noch einmal zurück aufs Feld und wurde erstmals zu einem entscheidenden Faktor für die Löwen. Zwei Siebenmeter und zwei weitere Würfe wehrte der 38-Jährige in der Schlussphase ab, was zwar keine Nachricht für die Tagesschau, sehr wohl aber eine bedeutende Botschaft für die Löwen im Allgemeinen und den Schlussmann im Speziellen war. Denn auch wenn die 18-Prozent-Quote immer noch stark ausbaufähig ist, so verließ Katsigiannis die Bördelandhalle mit einem guten Gefühl. Und das ist bisweilen genauso wichtig wie ein tolles Ergebnis.

Der Torwart erlebte am Mittwochabend beides. Er meldete sich Sekunden nach seiner Einwechslung für Späth (47. Minute) mit einer gleichermaßen spektakulären wie wichtigen Parade in der Saison an, als er den Siebenmeter von Omar Magnusson abwehrte und die Magdeburger Aufholjagd stoppte.

Nach der Glanztat überlegte sein Trainer übrigens, ob er Katsigiannis wieder runternehmen soll, wie Schwalb verriet. Rein, raus, rein, raus. Er entschied sich für rein – was genauso klug war wie der Torwartwechsel in der ersten Halbzeit.

„Ab und zu machen wir Trainer auch was richtig“, witzelte Schwalb, der Katsigiannis einen „großen Anteil“ am Sieg bescheinigte und dem aufgefallen war, dass Späth nach starkem Start dann in der zweiten Halbzeit kaum noch ein Faktor war: „David hat uns vor der Pause aufs Pferd geholfen. Der Junge hat einfach gar keine Nerven, war sofort da. Aber nach dem Seitenwechsel hatten ihn die Magdeburger ein bisschen ausgeguckt.“ Mit 18 Jahren kann das in der besten Liga der Welt aber nicht nur passieren. Es wäre eher verwunderlich, wenn solch eine lehrreiche Erfahrung ausbleiben würde, nachdem Späth als Mann der Zukunft zuletzt ein wenig die Gegenwart ausgetrickst hatte und früher als erwartet eine Hilfe wurde. Auch in Magdeburg.

„Wichtige Parden“ hatte Andy Schmid vor dem Seitenwechsel vom Senkrechtsrater zwischen den Pfosten gesehen – und eben genau solche Heldentaten anschließend in der Schlussviertelstunde von Katsigiannis. Direkt nach der Begegnung ging der Schweizer deshalb zum Torwart, weil auch er um die Bedeutung dieses wichtigen Abends wusste: „Ich habe ihm gesagt; .Jetzt bist du drin in der Saison.’ Für ihn war es aber auch kompliziert. Erst spielt er neun Monate kein Handball, dann kommt Nikolas zu einem Topverein, bei dem es stets um jeden Punkt geht – und plötzlich ist er gleich die Nummer eins“, sagte Schmid, der auch am Samstag (20.30 Uhr) gegen den TBV Lemgo wieder ein geniales Duo mit Jannik Kohlbacher bilden kann.

Auch Kohlbachers Rückkehr hilft

Der Kreisläufer fehlte seit Mitte September verletzungsbedingt, wurde schmerzlich vermisst, feierte in Magdeburg seine Rückkehr und hatte gleich großen Einfluss auf das Spiel, was nicht zuletzt zu Beginn wegen der fehlenden Hilfe von der Torhüterposition von elementarer Bedeutung war. Kohlbacher warf Tore, schuf Räume, war immer anspielbar. Kurzum: Die Magdeburger hatten im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände mit ihm zu tun, was Möglichkeiten für die Rückraumspieler der Löwen schuf.

Schmid traf, Lagergren traf, Patrail traf – und als es in der zweiten Halbzeit mal mit Gewalt gehen musste, packte Lukas Nilsson ein paar knallharte Würfe aus. Keine Frage: Die Badener „spielen im Angriff einen guten Ball“, wie Schmid befand, obwohl das nicht zwingend erwarten werden konnte. Patrail, Lagergren und der eingewechselte Nilsson sind neu bei den Löwen, auf der Bank saßen weitere Asse wie Romain Lagarde und Niclas Kirkeløkke, mit Alexander Petersson fehlte ein zusätzlicher Rückraummann, was aber auch ein Signal an die Konkurrenz ist. Denn die personellen Möglichkeiten unterstreichen schlichtweg den Speckgürtel, den sich der Kader zugelegt hat. Vielleicht von nun an sogar auf der Torwartposition.

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