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Turnen WM startet in Stuttgart / Verletzung stoppt Scheder

Anspannung der Lokalmatadore

Archivartikel

Stuttgart.Als interessierter Zuschauer und fachkundiger Gast schaute Olympiasieger Fabian Hambüchen entspannt bei der WM-Generalprobe der deutschen Turner vorbei. Der 31 Jahre alte Turn-Rentner genoss es, seinen ehemaligen Teamkollegen beim öffentlichen Podium-Training in Stuttgart zuzusehen, Autogramme zu schreiben und mit den Kampfrichtern ein Schwätzchen zu halten.

Danach stand Sophie Scheder indes nicht der Sinn – denn ihr Traum von der Heim-WM platzte 24 Stunden vor dem Start. Die 22 Jahre alte Chemnitzerin erlitt im Training eine Zerrung der Rückenmuskulatur, die für eine Instabilität in der Schulter sorgt. Das Trainer-Team beschloss daher, kein Risiko einzugehen und die bisherige Ersatzturnerin Pauline Schäfer einzusetzen.

Komplettes Programm für Seitz

„Für Sophie ist es sehr schade, aber ein Einsatz wäre unter diesen Umständen nicht zu verantworten. Mit Pauline haben wir eine Super-Turnerin, die nun für das Team kämpft“, sagte Cheftrainerin Ulla Koch. „Das ist schon eine total verrückte Situation“, sagte die Schwebebalken-Weltmeisterin von 2017 zu ihrem unverhofften Einsatz für die völlig enttäuschte Teamkollegin. Schäfer, die die gesamte Vorbereitung mit der Mannschaft bestritt, wird nur an ihrem Paradegerät Balken eingesetzt.

Die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz aus Altlußheim, Emelie Petz und die 2019-Mehrkampfmeisterin Sarah Voss werden nun einen kompletten Mehrkampf bestreiten. Kim Biu wird Boden, Sprung und Stufenbarren turnen. In dieser Besetzung soll es dem Quintett gelingen, das Finale der besten acht Teams zu erreichen. Für das Olympia-Ticket genügt gar schon Platz zwölf.

Bei den Aktiven steigt die Anspannung. Das Training an den Wettkampfgeräten unter Scheinwerferlicht und vor einigen hundert Zuschauern ist so etwas wie der Startschuss, obwohl die Männer erst am Sonntag (19.30 Uhr) mit der Team-Qualifikation dran sind. „Man spürt das Kribbeln“, sagte Lukas Dauser. „Wir sind alle konzentriert und fokussiert, versuchen aber auch, uns eine gewisse Lockerheit zu bewahren und alles zu genießen.“

Der 26 Jahre alte Teamkapitän musste lange um seine WM-Teilnahme bangen. Kaum hatte er seinen Mittelhandbruch (Mitte Juni) auskuriert, riss sich Dauser vor drei Wochen beim letzten WM-Test in Backnang ein Band im Sprunggelenk. Deswegen wird der Barren-Spezialist auch nur an sein Lieblingsgerät sowie ans Reck und Pauschenpferd gehen. „Ich trage noch einen Tapeverband. Boden und Sprung gehen nicht und beim Abgang von den Ringen wäre das Risiko zu groß. Ich denke, dass ich dem Team an den anderen Geräten am besten helfen kann.“

Schließlich steht die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 sowohl mit dem Frauen- als auch mit dem Männer-Team über allem. Jeweils zwölf Mannschaften dürfen in Tokio starten. Bei der WM 2018 in Doha erwarben sich schon drei Teams bei den Frauen (USA, Russland, China) und Männern (China, Russland, Japan) das Startrecht. Je neun Olympia-Tickets werden bei der 8,5 Millionen Euro teuren WM vergeben. dpa

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