Sport

Leichtathletik Zehnkämpfer genießt seinen EM-Triumph

Arthur Abele – der König von Berlin

Berlin.Arthur Abele kamen noch am Tag nach seinem großen Coup die Tränen. Als er zum x-ten Mal erklären sollte, wie viel ihm der Titel bei der Heim-EM in Berlin bedeutet, musste der 32-jährige Zehnkämpfer erneut schlucken. Er ließ sich ein Taschentuch reichen und sagte mit leiser Stimme: „Es ist unbeschreiblich, was an Emotionen hochgekommen ist. Ein Traum ist wahrgeworden.“

Um die Leistung des Ulmers zu würdigen, reichen viele Superlative kaum aus. Dem Stehaufmännchen der deutschen Leichtathletik wurde es in den vergangenen Jahren wahrlich nicht leicht gemacht, sein Weg auf Europas Thorn war gepflastert von Schicksalsschlägen: Gerade war er dabei, sich nach einem Achillessehnenriss im Jahr 2015 wieder zurückzumelden, musste er im vergangenen Dezember den nächsten Schock-Moment verkraften. Nach einer Mandelentzündung war plötzlich seine linke Gesichtshälfte gelähmt. „Ich dachte, dass ich einen Schlaganfall habe“, schildert er die schwere Zeit, in der an einen EM-Start nicht zu denken war.

Eine Kämpfernatur

Im Bundeswehrkrankenhaus von Ulm wurde Abele Hirnmasse abgezogen, er musste sich einer Kortison-Kur unterziehen und nahm sechs Kilogramm zu. Im Februar kehrten Probleme mit der Achillessehne zurück. Abele hatte viele nachvollziehbare Gründe, die Flinte ins Korn zu werfen – er verwarf sie alle und zeigte, dass er eine Kämpfernatur ist.

In Berlin zeigte er seine ganze Klasse. Mit 8431 Punkten setzte er sich souverän durch, nur nach dem Stabhochsprung, in dem lediglich 4,60 Meter zu Buche standen, musste er kurz zittern. Doch Abele wusste genau: Im Speerwerfen und dem abschließenden 1500-Meter-Lauf würde nichts mehr anbrennen.

So konnte er die letzte Stadionrunde sogar genießen, ehe er im Ziel auf die Knie fiel – und heulte wie ein Schlosshund. „Der Titel ist eine extra Motivation, ich werde die nächsten zwei Jahre Vollgas geben“, betont Abele – und nimmt nun die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ins Visier.