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Fußball Der Mannheimer Pascal Groß steht vor seinem 100. Einsatz in der englischen Premier League – das haben nur wenige Deutsche vor ihm geschafft

Auf der Insel einen Namen gemacht

Archivartikel

Brighton.Michael Ballack hat diese Marke geknackt, Per Mertesacker und Dietmar Hamann ebenso. Mehr als 100 Premier-League-Spiele stehen jeweils in der Vita dieser deutschen Fußball-Größen. Und sollte Pascal Groß in der Partie seines Clubs Brighton & Hove Albion an diesem Samstag gegen Aston Villa auflaufen, würde der gebürtige Mannheimer in diese Riege aufsteigen – es wäre der 100. Einsatz des 29-Jährigen in der besten und attraktivsten Liga der Welt.

„Das ist schon eine stolze Zahl. Mein Vater hat zu mir gesagt, dass man ein gestandener Spieler ist, wenn man diese Zahl erreicht“, sagt Groß, dessen Papa Stephan einst für den Karlsruher SC 113 Mal in der Bundesliga angetreten ist, im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich freue mich sehr über diese Marke. Und da ich die meisten dieser Spiele von Anfang an bestritten habe, denke ich, dass ich mich auch durchgesetzt habe.“

Groß ist keiner, der mit Titeln, Erfolgen oder einfach nur seiner Premier-League-Gegenwart hausieren geht, sondern die Bescheidenheit an den Tag legt und ausdrückt, die die Rolle seines Vereins in dieser Eliteliga widerspiegelt. Brighton & Hove Albions Erstliga-Zugehörigkeit in England ist ein nun bereits dreieinhalb Jahre währendes Märchen, die Abschlussplatzierungen 14, 17 und 13 legen Zeugnis darüber ab, dass es für den Club alljährlich ums Überleben und die Teilhabe an den Fleischtöpfen geht.

Groß, als Mittelfeldspieler in der Jugend des VfL Neckarau in Mannheim ausgebildet, hat sich in dieser Zeit nicht nur selbst seine eigenen Rekorde geschaffen, sondern sich auch in den Geschichtsbüchern der „Seagulls“ (Möwen), wie der Club auf der Insel genannt wird, verewigt. Er stand nicht nur beim ersten Premier-League-Spiel in der Geschichte des Vereins auf dem Rasen (0:2 gegen Manchester City), sondern erzielte auch den ersten Treffer des Clubs auf neuem Terrain.

„Durch die ersten drei Spiele, die wir ohne eigenes Tor nicht gewinnen konnten, standen wir gegen West Bromwich Albion etwas unter Druck“, erinnert sich Groß an den 9. September 2017. Kurz vor dem Pausenpfiff sorgte er dann aber für eine kollektive Befreiung an der englischen Südküste. „Ich habe selbst einen Diagonalball geschlagen und bin dann in den Strafraum gegangen. Die Flanke kam auf den zweiten Pfosten, wo ich mir den Ball von rechts auf links gelegt und ins kurze Eck geschossen habe“, ist für Groß der Treffer noch sehr präsent. Drei Minuten später traf er zum zweiten Mal und leitete den umjubelten 3:1-Sieg ein.

Sieben Tore erzielte der Mannheimer in der ersten Spielzeit in der Premier League. Den wichtigsten Treffer feierte er ganz zum Schluss. „Mein Tor gegen Manchester United zum 1:0-Sieg hat uns den Klassenerhalt gebracht. Das war ein besonderes Spiel gegen einen besonderen Gegner“, sagt Groß. Und damit war der nächste Eintrag in den Geschichtsbüchern des Clubs gewiss.

Vierte Saison auf der Insel

Inzwischen ist der 29-Jährige in seine vierte Saison in Englands Eliteliga gestartet – und muss sich immer neu beweisen. So saß er zu Saisonbeginn auf der Ersatzbank, hat nun aber seinen Platz in der ersten Elf zurückerobert. „Der Verein hat viele Neuzugänge geholt und versucht, sich weiterzuentwickeln mit jungen Spielern. Es herrscht ein großer Konkurrenzdruck. Man muss einfach am Ball bleiben und sich zurückkämpfen“, schildert Groß den täglichen Aufwand, der logischerweise auch in allen Begegnungen gewaltig ist: „Jedes Spiel ist schwer und auf hohem Niveau. Selbst die weniger ambitionierten Clubs haben Top-Spieler in ihren Reihen.“

Gegen Aston Villa kann er als erst vierter Spieler des Clubs die Hunderter-Marke überspringen. „Es ist für mich schon ein besonderes Spiel, aber konkret etwas vorgenommen habe ich mir dafür nicht“, will er die Partie weitgehend unvoreingenommen angehen. „Ich arbeite immer daran, was ich besser machen kann, weil sich der Fußball auch entwickelt.“

Wenn er es sogar schafft, am Samstag gegen den Club aus Birmingham einzunetzen, hätte er übrigens seine nächste Geschichte geschrieben. Ein Treffer im 100. Premier-League-Spiel gelang noch keinem Akteur von Brighton & Hove Albion.

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