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Skispringen Geiger fällt im stark kritisierten zweiten WM-Durchgang weit zurück / Kubacki siegt

Aufregung am Bergisel

Archivartikel

Seefeld.Die Wut im deutschen Skisprunglager war riesig. Nachdem sich im dichten Schneetreiben von Seefeld alle WM-Medaillenträume von Karl Geiger und Co. aufgelöst hatten, attackierte der Sportliche Leiter Horst Hüttel die Jury heftig. „Der zweite Durchgang war komplett irregulär. Wenn das nicht irregulär ist, verstehe ich die Welt nicht mehr. Dafür gibt es ein Wettkampf-Management. Die haben kläglich versagt“, sagte der erzürnte Funktionär. Auch Geiger, der in der komplett lahmen Spur von Rang zwei auf Platz 18 zurückfiel, war spürbar enttäuscht: „Ich mag kaum was dazu sagen. Gerecht war da nichts mehr.“

Bei immer heftigerem Schneefall und wechselnden Winden war das Einzel bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld zu einer Art Lotterie geworden. Der neue Weltmeister Dawid Kubacki sprang von Rang 27 noch zu Gold, auch sein Landsmann Kamil Stoch und der Österreicher Stefan Kraft schafften es nach riesigen Rückständen noch auf das Podest. „Das ist dann schon unfair“, befand auch Geiger zu den Verhältnissen, nachdem er wie der nach dem ersten Durchgang führende Japaner Ryoyu Kobayashi durchgereicht wurde.

Das gute Teamergebnis mit Richard Freitag als Fünftem, Stephan Leyhe als Sechstem und Doppel-Weltmeister Markus Eisenbichler auf Rang sieben interessierte in der turbulenten Gefühlsachterbahn von Tirol kaum mehr. „Jetzt ist ein Ergebnis da“, sagte der nach Saisonende aufhörende Schuster, um später anzufügen: „Die Art und Weise ist sehr unangenehm und sehr bescheiden, es war auch nicht prickelnd zum Zusehen. Es ist kein Glanztag für unseren Sport.“ Beim sensiblen Schanzensport ist in einem WM-Wettkampf immer alles möglich, doch das Normalschanzen-Einzel im Schneegestöber von Seefeld litt unter ganz extremen Verhältnissen.

„Die Sportler Geiger und Kobayashi, die sind heute veräppelt worden“, sagte Schuster. Geiger, der auf der Großschanze am Bergisel schon Silber im Einzel und Gold im Team geholt hatte, war bedient. „Es ist einfach ärgerlich. Der Sprung war jetzt auch nicht hundertprozentig. Brauchen wir gar nicht reden, aber man kriegt halt nicht mal eine faire Chance, mitzukämpfen, und das ist schon zäh“, sagte der Oberstdorfer.

Für die Polen war der Doppelerfolg unter Trainer Stefan Horngacher, der beim DSV als Top-Anwärter für die Schuster-Nachfolge gilt, nach bisher enttäuschenden Titelkämpfen extrem wichtig, weil sie bei der letzten Entscheidung am Samstag (16 Uhr/ZDF und Eurosport) im Mixed keine Chance mehr auf den Titel haben. Für das DSV-Team waren auch die drei Medaillen vom Bergisel kein Trost, nach einem Wettkampf unter höchst sonderbaren Bedingungen herrschte einfach Enttäuschung. Freitag meinte: „Es ist ärgerlich für den Karl. Er ist die Tage durchgängig stark gesprungen.“ dpa

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