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Fußball Southampton, San Sebástian, Sassuolo – in England, Spanien und Italien machen es die Überraschungsteams den etablierten Clubs schwer

Aufstand der Außenseiter

Berlin.Ralph Hasenhüttl hat gut Lachen in der Corona-Saison. Mit seinem FC Southampton steht der frühere RB-Leipzig-Trainer überraschend auf Rang vier der Premier League, Liga-Schwergewichte wie die beiden Clubs aus Manchester reihen sich auf den zweistelligen Rängen ein. Auch in Spanien scheint die Tabelle verrückt zu spielen – der große FC Barcelona auf Rang acht, Liga-Primus ist das jüngste Team der Primera División aus San Sebastián. Und wer der italienische Tabellenzweite Sassuolo ist, dürfte nördlich der Alpen nur eingefleischten Fußballfans bekannt sein.

Was ist also los in den europäischen Topligen – führen etwa die Corona-Umstände zum Aufstand der Kleinen? Folgt man der Argumentation von Hasenhüttl, könnte an dieser These durchaus etwas dran sein. „Als Trainer kann ich bei Geisterspielen viel besser coachen. Und die Spieler haben viel mehr Ruhe am Ball, wenn sie nicht von den Rängen gepusht werden“, erklärte der Southampton-Coach jüngst im „Kicker“ seine aktuelle Erfolgsserie. Gerade in der Lockdown-Phase habe er sein Team neu einstellen können.

Zu der These passt auch das Wehklagen der Großen. Wer neben der Liga auch noch internationale Wettbewerbe bestreiten und obendrein Spieler zur Nationalmannschaft abstellen muss, war zwar schon immer stärker belastet. Durch Corona sind die Spielpläne jedoch derzeit besonders eng getaktet, was bei etlichen Trainern für Unmut sorgt. „Die Spieler hatten eine zweiwöchige Vorbereitung und müssen jetzt elf Monate lang alle drei Tage spielen“, beklagte sich Manchester Citys Trainer Pep Guardiola. Auch Jürgen Klopp („Absoluter Killer“) und ManUniteds Coach Ole Gunnar Solskjaer („Ein Witz“) schimpften über diese Situation.

Große Belastung der Topvereine

Für den Sportwissenschaftler Daniel Memmert haben die Trainer der Spitzenclubs mit dem Verweis auf die Belastung durchaus ein Argument. „Das ist schon etwas, das für die Kleinen nicht so zutrifft“, erklärt er. Generell sei bei Spitzensportlern jedoch eine gewisse Anpassungsfähigkeit erwartbar: „Denen ist es egal, ob sie vor Fans spielen oder nicht. Die müssen einfach performen.“

Memmert glaubt daher nicht daran, dass gerade die Corona-Situation die Tabellen durchschüttelt. Wissenschaftlich ließe sich das etwa dadurch untermauern, dass sich in der Corona-Zeit weltweit der Heimvorteil kaum verändert habe. Vielmehr lohne es sich, die Situation in jeder Liga genauer zu betrachten.

Beispiel Spanien: Während der FC Barcelona in den vergangenen Wochen hauptsächlich mit internen Querelen und seiner angespannten finanziellen Situation beschäftigt war, konnte der Tabellenführer aus San Sebastián an seine starke Rückrunde aus der vergangenen Saison anknüpfen. In der Sommerpause verstärkten sich die Basken nur auf einer Position und holten mit dem 34-jährigen David Silva einen Routinier ins junge Team. Ansonsten besticht der Vorjahres-Siebte hauptsächlich mit Konstanz.

Manchester City hingegen fehlt seit der Sommerpause beides: David Silva – und Konstanz. Neben dem Spanier hat auch Leistungstrainer Leroy Sané den englischen Vizemeister verlassen. Doch auch Corona spielt hier eine Rolle: Trainer Pep Guardiola musste bereits mehrere Ausfälle wegen Coronavirus-Infektionen verkraften.

Und beim italienischen Serienmeister Juventus Turin muss der neue Coach Andrea Pirlo nicht nur erste Taktik-Kritik nach teils planlosen Auftritten seiner stark verjüngten Truppe ertragen. Er musste für einige Spiele auch auf Leistungsträger Cristiano Ronaldo verzichten, der ebenfalls wegen einer Coronavirus-Infektion ausfiel. dpa

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