Sport

Doping Festgenommener Arzt Mark S. will kooperieren

Banges Warten auf weitere Enthüllungen

Archivartikel

Seefeld/Erfurt.Die Furcht vor neuen Enthüllungen im Doping-Skandal um den Erfurter Sportmediziner wächst. Das Ausmaß ist nach den Razzien in Erfurt und bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld noch nicht absehbar. Mit Spannung wird auf die Auswertung von Blutbeuteln gewartet, die bei Hausdurchsuchungen am Mittwoch in Erfurt sichergestellt wurden. Weitere Aufschlüsse könnten die Vernehmungen des festgenommenen Arztes Mark S. ergeben. Dieser kooperiere „vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden“, teilte einer der Anwälte der „Bild“-Zeitung mit. Mark S. waren in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt schon Doping-Machenschaften vorgeworfen worden, die Vorwürfe hatte er stets bestritten.

In Erfurt waren bei den Razzien nach Angaben der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag) mehr als 40 Blutbeutel sichergestellt worden. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete von mindestens einigen Dutzend kühl gelagerter Blutbeutel. Angeblich seien diese mit Tarnnamen versehen gewesen, hieß es.

Nach Aussagen von Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt arbeiten die Behörden eng mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und den Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA) zusammen. Er sieht „gute Möglichkeiten, die Blutbeutel über DNA-Tests den jeweiligen Besitzern zuordnen zu können“, wurde er in der „SZ“ zitiert. Die Ermittler gehen von einem internationalen Doping-Netzwerk aus, in das neben den am Mittwoch festgenommenen neun Verdächtigen weitere Personen verwickelt sein sollen.

Deutsche Sportler involviert?

NADA-Vorstand Lars Mortsiefer betonte, seine Organisation könne den Ermittlern bei der Zuordnung von Blutbeuteln zu Sportlern helfen. „Aber das setzt in der Tat voraus, dass deutsche Athletinnen und Athleten involviert sind. Und Anhaltspunkte dafür haben wir im Moment nicht“, sagte er. DOSB-Präsident Alfons Hörmann wiederholte gestern, dass deutsche Sportler nicht in die Affäre verwickelt seien. „Aber ich betone immer wieder: Stand heute“, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Der österreichische Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel bekräftigte auf Nachfrage des MDR seinen Vorwurf gegen deutsche Sportler. „Ich habe Informationen, dass auch deutsche Athleten betroffen sind“, sagte der 77-Jährige. In einem Interview des österreichischen „Kurier“ klagte er: „Die Zentrale ist schon in Deutschland, aber auf die Österreicher wird jetzt hingehaut.“

Der estnische Skilangläufer Karel Tammjärv gab gestern ausführlich Auskunft über seine Dopingpraktiken und beschrieb seine Verbindungen nach Deutschland. dpa