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Fußball Münchner Bosse Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic üben heftige Medienschelte / „Polemisch“ und „unverschämt“

Beim FC Bayern brodelt es

Archivartikel

München.„Polemisch“, „unverschämt“, „hämisch“: Den Münchner Bossen missfällt der Umgang mit dem FC Bayern und verdienten Profis in der aktuellen Krise. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic sorgen mit einer Medienschelte für Aufsehen. Trainer und Mannschaft müssen nun Taten sprechen lassen.

Beim FC Bayern gärt es. Nach vier sieglosen Spielen haben die Münchner Bosse vor dem als Wendepunkt erhofften Neustart beim VfL Wolfsburg heftige Kritik geübt. In einer gemeinsamen Pressekonferenz beklagten Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic einen Sittenverfall in der Fußball-Berichterstattung und kündigten energische Gegenwehr an, notfalls mit juristischen Mitteln.

„Heute ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern, weil wir Ihnen mitteilen, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen“, erklärte Rummenigge während eines denkwürdigen Auftritts im prall gefüllten Presseraum auf dem Vereinsgelände. „Wir werden uns diese hämische, herabwürdigende, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen“, erklärte der 63-Jährige. Die Führungsspitze beklagt Unwahrheiten sowie „polemische“ und „unverschämte“ Kritik an verdienten Bayern-Spielern und auch an Bundestrainer Joachim Löw.

„Es ist an der Zeit, dass sich der wichtigste Club in Deutschland positioniert“, sagte Hoeneß innerlich brodelnd. „Wir werden keine despektierliche und respektlose Kritik weiterhin akzeptieren.“

Auslöser für den Rundumschlag sei die Berichterstattung nach dem 0:3 der Nationalmannschaft in Holland gewesen, von der auch maßgeblich Bayern-Profis wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng und Mats Hummels betroffen waren. Der Verein verurteile, „einen solchen Mann offenbar in dieser Art und Weise in Schutt und Asche zu reden“, sagte Rummenigge zum lange verletzten Neuer, dem zuletzt aber sogar nach eigener Aussage „das Spielglück“ gefehlt hatte. Den Innenverteidigern Boateng (30) und Hummels (29) war vom TV-Experten Olaf Thon, einem ehemaligen Bayern-Profi, „Altherrenfußball“ vorgehalten worden. „Geht’s eigentlich noch?“, fragte Rummenigge. Thon wies den Vorwurf der Polemik zurück. „Das war ja nicht unter der Gürtellinie“, sagte er dem „Sportbuzzer“ zu dem von ihm gewählten Vergleich.

Die Bosse übten den Schulterschluss mit den Spielern, die Aktion roch nach einem taktischen Ablenkungsmanöver. „Es scheint offensichtlich, dass man sich überhaupt keine Gedanken mehr macht über Werte wie Würde und Anstand“, beklagte Rummenigge.

Verbale Grenzen überschritten?

Rummenigges Eindruck ist: „Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Das gilt für Medien, das gilt auch für Experten, und das gilt vor allen Dingen auch für Experten, die mal bei diesem Club Fußball gespielt haben.“

Verbale Grenzen werden bisweilen überschritten. Doch die Wortgewalt eines Uli Hoeneß konterkariert die selbst erhobenen Vorwürfe. Der Präsident hat zuletzt öfter überzogen, ob gegen Mesut Özil („Dreck gespielt“) oder den Leverkusener Profi Karim Bellarabi, dessen Foul am Münchner Abwehrspieler Rafinha er „geisteskrank“ genannt hatte.

Der 66-Jährige führte das auf die Emotionalität unmittelbar nach einem Spiel zurück. „Das hätte ich nicht sagen sollen“, räumte Hoeneß am Freitag ein. Dem im Sommer verkauften Außenverteidiger Juan Bernat hatte er jedoch zuvor bescheinigt, im Champions-League-Spiel gegen den FC Sevilla in der Vorsaison „einen Scheißdreck“ gespielt zu haben.

Sportdirektor Salihamidzic empörte sich, dass ihm ohne Grund eine fehlende Rückendeckung für Trainer Niko Kovac unterstellt worden sei. „Wir müssen uns nicht öffentlich ein Küsschen geben. Die Bundesliga ist keine Dschungelshow“, sagte der Sportdirektor.

Info: Video unter morgenweb.de/fussball

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