Sport

Stabhochsprung 19-Jähriger gilt als Riesentalent

Bo Kanda Lita Baehre – eine echte Marke

Archivartikel

Mannheim.Bo Kanda Lita Baehre: Dahinter verbirgt sich ein junger Mann, dessen Talente ähnlich außergewöhnlich sind wie sein Name. „Bo hat skandinavischen Ursprung, Kanda und Lita kommen von meinem aus dem Kongo stammenden Vater, Baehre ist der Name meiner deutschen Mutter“, erklärt der 19-jährige Stabhochspringer vom TSV Bayer Leverkusen, dessen Markenzeichen nicht nur ein Tattoo an der Schulter ist, sondern auch ein Stulpen am Ellbogen. „Der hat keine größere Bedeutung. Im Augenblick finde ich ihn einfach cool.“

In der U 20 springt er in einer anderen Liga als seine nationale Konkurrenz, kann sich mit Bestleistung von 5,61 Meter mit den Männern messen und hat die Norm für die EM in Berlin bereits geschafft. In Europa ist er die Nummer zwei seiner Altersklasse, gewann 2017 im italienischen Grosseto EM-Silber. In diesem Jahr steht ihm der Sinn nach mehr. Er nimmt bei der Junioren-WM im finnischen Tampere den aus Schweden stammenden Europameister und U-20-Weltrekordler Armand Duplantis ins Visier (PB 5,90 m). Vielleicht kommt es ja schon bei der Juniorengala zu einer EM-Revanche.

Mentale Stärke

Für Lita Baehre ist das Meeting im Michael-Hoffmann-Stadion Pflicht, denn es ist ausschlaggebend für die Vergabe der jeweils zwei WM-Tickets pro Disziplin. Dass der Schüler eines Leverkusener Berufskollegs, der in einer WG mit einem Clubkollegen lebt und an Ostern 2019 sein Abitur in der Tasche haben will, die Fahrkarte löst, ist so gut wie sicher. Das Duell mit dem meist in den USA lebenden Duplantis wäre allerdings ein Sahnehäubchen der Veranstaltung. „Für mich spielt es keine große Rolle, ob er da ist oder nicht. Denn ich schaue nie auf andere, konzentriere mich nur auf mich. Eines Tages werde ich ihn schlagen“, sagt er und nennt seine „mentale Stärke“ als einen Schlüssel zum Erfolg.

Ein anderer ist sein Ehrgeiz. „Ich habe Sport noch nie aus reinem Spaß gemacht, hatte schon immer Lust auf Leistung“, erinnert er sich auch an die über vier Jahre als Basketballer. „Mit Leichtathletik habe ich erst 2012 angefangen.“ Wie alle Jugendliche machte er eine breit gefächerte Ausbildung, bevor er sich auf den Stab konzentrierte. „Obwohl ich in der Schule selten geturnt habe, fiel mir das turnerische Element, das man braucht, immer leicht.“ Und obwohl er sich unter den Fittichen seiner Trainerin Christine Adams schnell entwickelte, reizen ihn auch andere Disziplinen: „Weitsprung oder Hürdenlauf – wenn, dann aber auf DM-Niveau.“ Sogar ein Zehnkampf-Trainer hat schon einmal bei dem Multi-Talent angeklopft. „Aber zehn Disziplinen sind mir zu viel.“

Sein Spezial-Training, das im Sommer in sechs Einheiten à maximal zwei Stunden eher auf Qualität als auf Quantität ausgerichtet ist, soll ihn eines Tages über sechs Meter bringen. „Das traue ich mir zu, wenn ich meine noch längst nicht perfekte Technik weiter verbessere und dann auch meinen Anlauf verlängere“, sieht er noch Luft nach oben.