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Basketball: Fan aus München unterstützt das deutsche Team an der Trommel – auch beim heutigen Finale des Albert-Schweitzer-Turniers in Mannheim um 16.15 Uhr

"Bolle" will sich wieder amüsieren

Archivartikel

Mannheim.Ohne ihn wäre die Stimmung beim Albert-Schweitzer-Turnier (AST) nur halb so gut: Wenn „Bolle“ aus München mit seiner Trommel den Rhythmus vorgibt, klatscht die Menge in der GBG Halle am Herzogenried mit. „Das Zusammenspiel mit den Zuschauern entwickelt sich im Lauf des Turniers. Das ist spannend zu beobachten“, sagt der 45-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Matthias Bolte heißt und als Sachbearbeiter am Max-Planck-Institut in der bayerischen Landeshauptstadt arbeitet.

Den Spitznamen „Bolle“ verdankt er seiner Schwester. Die kam als Pfadfinderin einst mit dem Liederbuch „Die Mundorgel“ und dem bekannten Volkslied „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ in Berührung. Der Schlussvers „Aber dennoch hat sich Bölle janz köstlich amüsiert“ wurde dann irgendwann zu Boltes Leitspruch – im Leben wie auch im Basketball. „Nur die Keilerei brauche ich nicht“, merkt er an.

Was sich wie ein flotter Spruch anhört, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. „Ich sehe Basketball als einen wichtigen sozialen Bereich“, meint „Bolle“, der unter anderem als zweiter Vorsitzender der Initiative „Fans respect fans“ wirkt. Das eigene Team unterstützen – und nicht den Gegner dumm anmachen: Diese Devise hat für „Bolle“ oberste Priorität. „Für meine Mannschaft ist es wichtiger, dass ich sie unterstütze. Mein Team wird nicht besser, wenn ich andere schlechtmache“, findet er.

Dieses soziale Bewusstsein lebt der gebürtige Hagener („In Hagen war Basketball mit zwei Bundesliga-Klubs die Sportart Nummer eins in den 80er Jahren. Die Dynamik des Sports hat mich als Kind sofort fasziniert“) auch als Fan in seiner Wahlheimat München vor. Neben dem ersten Basketball-Herrenteam des FC Bayern dürfen die zweite Mannschaft und die FCB-Junioren auf „Bolles“ Support bauen. Altersübergreifend steht der 45-Jährige zudem bei Rollstuhl-Basketballspielen und bei den Nationalmannschaften des Deutschen Basketball-Bunds (DBB) am Spielfeldrand – so wie eben beim Schweitzer-Turnier, bei dem „Bolle“ zum dritten Mal seit 2014 für Stimmung sorgt.

Auf diese Weise kamen schon viele Bekanntschaften zustande. Den Heidelberger Paul Zipser etwa, der 2013 vom USC Heidelberg an die Isar wechselte und heute bei den Chicago Bulls in der NBA spielt, lernte „Bolle“ bei dessen Einsätzen im zweiten Bayern-Team kennen. Den Kontakt zu Danilo Barthel, der wie Zipser aus Heidelberg stammt und seit 2016 in München aktiv ist, weiß „Bolle“ ebenfalls zu schätzen. „Da ist eine gute Chemie zwischen uns. Man wird von den Spielern wiedererkannt und abgeklatscht, man tauscht sich nach den Spielen aus und bekommt ihre sportliche und private Entwicklung über die Jahre mit“, erklärt er – und stellt klar: „Das ist für mich ein Grund mehr, im Basketball weiterzumachen.“

Selbst am Ball ist Matthias Bolte, den zahlreiche Schals und eine Kappe mit zahllosen Basketball-Ansteckern zieren, übrigens nicht. „Dafür reicht mein räumliches Sehvermögen nicht“, räumt er offen ein. Vor neun Jahren musste sich Bolte einer Operation an beiden Augen unterziehen. Die Diagnose: grauer Star. „Den habe ich von meinem Vater geerbt“, meint er.

Während der Spiele muss „Bolle“ deshalb immer wieder zum Taschenfernglas greifen. Entmutigt hat ihn die Erkrankung aber nicht. „Es gibt viele Möglichkeiten, sein Leben gut zu gestalten“, sagt er. Für Leidenschaft und Fairness im Basketball zu stehen, ist eine Möglichkeit – und so will sich „Bolle“ auch heute Nachmittag (16.15 Uhr, GBG Halle) beim AST-Finale zwischen Deutschland und Australien wieder „janz köstlich amüsieren“.