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Radsport Italiener übernimmt auf der sechsten Etappe der Tour de France die Gesamtführung vom Franzosen Alaphilippe / Buchmann setzt Ausrufezeichen

Bonussekunden verhelfen Ciccone zu Gelb

La Planche des Belles Filles.Emanuel Buchmann quälte sich mit allerletzter Kraft die Schotterpiste zur Skistation hinauf, dann blickte der Kletterspezialist erleichtert empor. Die deutsche Rundfahrt-Hoffnung hat den Showdown in den Vogesen bravourös gemeistert und sich bei der ersten Hochgebirgsetappe der 106. Tour de France von den Top-Favoriten um Titelverteidiger Geraint Thomas nicht abschütteln lassen. Den Tagessieg sicherte sich unterdessen auf der sechsten Etappe über 160,5 Kilometer von Mulhouse nach La Planche des Belles Filles der belgische Ausreißer Dylan Teuns vor dem Italiener Giulio Ciccone, der um Haaresbreite dem französischen Publikumsliebling Julian Alaphilippe das Gelbe Trikot entriss. „Man hat immer die Hoffnung, dass es noch besser läuft. Aber mit den Top Ten war ich schon zufrieden“, sagte Buchmann.

Die Kletter-Show der Favoriten, die 1:44 Minuten hinter den Ausreißern die bis zu 24 Prozent steile Rampe im Ziel überquerten, stand im Mittelpunkt dieser ersten Bergetappe. Und pünktlich zum Höhepunkt zeigte Titelverteidiger Thomas als Vierter seine beste Saisonleistung. Nur sieben Sekunden später war auch schon Buchmann im Ziel. Der Auftritt des Ravensburgers auf den 4000 Höhenmetern mit sieben Bergwertungen machte Appetit auf mehr und lässt Radsport-Deutschland von der ersten Top-Ten-Platzierung seit Andreas Klöden vor zehn Jahren hoffen. Dank seines Parforceritts hat sich Buchmann von Platz 29 auf 12 katapultiert.

Das Gelbe Trikot übernahm unterdessen Ciccone in einer Sekunden-Entscheidung. Der Italiener war neben Tagessieger Teuns aus einer ursprünglich 14-köpfigen Ausreißergruppe übrig geblieben und liegt dank der Bonussekunden nun sechs Sekunden vor Alaphilippe, der als Tagessechster alles gab – letztlich vergebens.

Platz fünf der Gesamtwertung hat sich Toursieger Thomas gesichert, der am Donnerstag die Zweifel an seiner Form ausräumte und damit auch seinen aufstrebenden Teamkollegen Bernal überflügelte. Hatten die Favoriten noch bis zum Schlussanstieg auf Attacken verzichtet, ging es auf den letzten Kilometern vor dem Ziel bei den Favoriten richtig zur Sache. Erst attackierte der Spanier Mikel Landa, doch das Tempo der Favoritengruppe war zu hoch. Als Thomas die Schlagzahl erhöhte, verpuffte Alaphilippes Angriff.

Längste Etappe steht an

Seit Montag trug der 27-Jährige das Maillot Jaune und er dachte erst gar nicht daran, das begehrte Stück Stoff kampflos abzugeben. Am Ende waren es die Bonussekunden, die knapp für Ciccone sprachen.

Gelb in La Planche des Belles Filles ist eigentlich ein gutes Omen. Wer hier die Führung inne hatte, der gewann stets auch die Tour de France: So war es bei den bisherigen drei Ankünften im Skiort in den Vogesen: 2012 Bradley Wiggins, 2014 Vincenzo Nibali und 2017 Chris Froome. Diesmal könnte es jedoch auch anders laufen. Weiter geht es am Freitag mit der längsten Etappe dieser Tour. Von Belfort nach Chalon-sur-Saône warten 230 Kilometer auf die Fahrer. dpa