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Fußball DFL und Clubs tagen am Donnerstag / Zwist über Plan für möglichen Abbruch / Dynamo Dresden will auch Spiel gegen Arminia Bielefeld verlegen

Bundesliga-Notbetrieb startet mit Streit

Berlin.Der Neustart wird zum heikelsten Experiment der Bundesliga-Geschichte – und entzweit die Clubs schon vor dem Auftakt. Streitpunkt vor der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL), bei der am Donnerstag die letzten Weichen für den Spielbetrieb gestellt werden sollen, ist die Abstiegsregel für den Fall eines Abbruchs. Zehn Erstligisten stimmten am Mittwoch bei einer Schalte laut „Kicker“ für den Vorschlag, die dann aktuelle Tabelle zu werten – acht dagegen.

Ohnehin ist die Stimmung vor dem Wiederanpfiff angespannt. Begleitet von Kritik und Zweifeln steht für den Profifußball enorm viel auf dem Spiel: Millionen-Summen und die wirtschaftliche Existenz einiger Clubs, aber auch der schon beschädigte Ruf und die Gesundheit der Beteiligten am Geister-Schauspiel.

Wenn am Wochenende der Ball in leeren Arenen rollt, gerät das Sportliche eher zur Randnotiz – auch wenn großes internationales Interesse beim Neustart der ersten Top-Sportliga weltweit gewiss ist. Es gehe schlicht um „den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form“, versicherte der DFL-Vorsitzende Christian Seifert. Als Krisenmanager steuert er die Bundesliga in einen „absoluten Notbetrieb“, wie er im ZDF sagte. „Jedem in der Liga muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung.“

Liga-Aufstockung ausgeschlossen

Eigentlich wollte die Liga am Samstag ihren letzten Spieltag zelebrieren. Stattdessen könnte es laut Plänen demnächst Geisterspiele in neutralen Arenen geben, wenn Behörden den Gastgebern die Genehmigung für die Stadion-Nutzung entziehen. Und die zentralen Entscheidungen könnten im schlimmsten Fall ganz schnöde und abrupt durch einen Saisonabbruch fallen.

Geht es nach der DFL, würde dann der „Bild“ zufolge nach Tabellenlage ein Meister gekrönt werden, es gäbe zwei Absteiger und keine Aufstockung der Ligen. „Nochmal: Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, sollte aber auch geregelt sein. Ich bin überzeugt, dass alle Clubs diesem Vorschlag zustimmen“, sagte der DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters am Mittwoch – und sah sich getäuscht.

Verhindern soll diese Szenarien das Konzept zum Sonderspielbetrieb, das die DFL als Anhang in die Spielordnung aufnehmen will. Die 51 Seiten mit Notmaßnahmen und Handlungsanweisungen hatten die Politik zur Freigabe für die Fortsetzung bewogen. „Ein bisschen Bauchgrummeln hat jeder dabei. Die Öffentlichkeit wird genau hinschauen“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), wohl einer der Wegbereiter für die Zustimmung von Bund und Ländern.

Zweifelhafter sportlicher Wert

„Wir wollen und werden unserer Verantwortung gerecht werden“, versprach Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. Doch das Video von Hertha-Profi Salomon Kalou und die Coronafälle, die das Team von Dynamo Dresden bis 23. Mai in die Quarantäne zwangen, nährten die Bedenken.

Die Zweitliga-Spiele der Sachsen gegen Hannover 96 und die Spvgg Greuther Fürth sind bereits abgesagt. Am Mittwoch forderte Dynamo auch die Verlegung der darauffolgenden Partie gegen Tabellenführer Arminia Bielefeld am 27. Mai. „Es wird die nächsten Tage Thema sein, einen verträglichen Konsens zu finden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dort an den Start gehen können“, sagte Sportchef Ralf Minge

Der sportliche Wert angesichts knapper Vorbereitung und die womöglich fehlende Chancengleichheit werden überlagert bei den 36 Profivereinen vom Wunsch nach Rettung ausstehender Fernseh- und Sponsorengelder. „Wenn die Bundesliga als einzige große Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir ein Milliardenpublikum haben werden“, sagte Rummenigge. Und Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärte: „Die Bundesliga so lange ruhen zu lassen, bis wieder Zuschauer in die Stadien dürfen, wäre für die Vereine wirtschaftlich allerdings nicht durchzuhalten gewesen.“

Kritik äußerte auch mancher Profi. „Wir haben keinen Sitz am Tisch, wir wurden nicht konsultiert“, sagte Neven Subotic von Union Berlin. Auch die Spielergewerkschaft VDV bemängelte, Ängste seien zu wenig gehört worden.

Funktionäre geben sich einsichtig

In der Debatte musste sich die Branche reichlich Kritik gefallen lassen. Und die Bosse gaben sich einsichtig. „Wir müssen gewisse Exzesse versuchen, zu normalisieren“, sagte Rummenigge. Die DFL will eine Taskforce für die Zukunft einsetzen.

Eine Gehaltsobergrenze, mehr Vernunft auf dem Transfermarkt, das Ende der Protz-Profis, ein größeres Bewusstsein für gesellschaftliche Problemfelder wie Rassismus und Gerechtigkeit, mehr Nähe und Verständnis für die Fans – ist das die Fußball-Welt nach Corona? Wie nachhaltig diese Diskussion wirklich wirkt, wird sich zeigen, wenn erst der Ball wieder rollt. dpa

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