Sport

Radsport Nach seinem Freispruch vom Doping-Verdacht steht der Titelverteidiger im Fokus der Tour de France

Chris Froome, die beschützte Reizfigur

Archivartikel

Noirmoutier.Für „Le Kaiser“ Marcel Kittel und Chris Froome sind die Vorjahreserfolge schwere Lasten. Da trotz des Freispruchs gegen den Briten die Zweifel bleiben, erwartet ihn bei der 105. Tour de France auf dem Weg zu seinem fünften Triumph ein Spießrutenlauf. Neben sportlichen Herausforderungen steht Froome wegen der vom Radsport-Weltverband UCI so fragwürdig gelösten Salbutamol-Affäre ein Nervenkrieg der besonderen Art bevor. Er bat die Fans um Fairness, Bodyguards sollen ihn schützen, und der vielleicht aussichtsreichste Herausforderer Tom Dumoulin will sicherheitshalber Abstand zu Froome halten.

Heute Start

Kittel, der 2017 fast ein Viertel aller Etappen gewann, steht ebenso unter Druck. „Das krasse Vorjahr mit fünf Siegen zu wiederholen, ist natürlich unrealistisch“, sagte der Topsprinter aus Thüringen vor dem Start des größten Radrennens der Welt. Schon im Ziel der ersten Etappe in Fontenay könnte er sich am Samstag im Gelben Trikot sonnen, so wie ihm das 2013 auf Korsika und 2014 in Yorkshire gelang.

„Gelb ist drin, aber ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster. Die Zielankunft hat es in sich“, sagte der Katusha-Alpecin-Kapitän, dessen Sprintzug mit Rick Zabel und Tony Martin noch nicht wie geschmiert läuft. „Die Zielgerade von Yorkshire war sehr ähnlich der von Fontenay“, sagte Kittel-Manager Jörg Werner hoffnungsvoll.

Der Startschuss zur 3351-Kilometer-Tour durch Frankreich, die am 29. Juli auf den Pariser Champs Elysées endet, fällt auf der Atlantik-Insel Noirmoutier. Ein Teamzeitfahren in Cholet, eine Kopfsteinpflaster-Passage nach Roubaix mit Aussichten für Martin und John Degenkolb, ein Einzelzeitfahren am vorletzten Tourtag an der spanischen Grenze und drei Bergankünfte sind die sportlichen Eckpunkte dieser brisanten Tour.

Froome hat den Giro in den Knochen und die Folgen der neunmonatigen Salbutamol-Affäre bestimmt nicht restlos verdaut. Diese Kombination könnte der Konkurrenz – Vincenzo Nibali, Dumoulin, Nairo Quintana, Richie Porte oder Romain Bardet – ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Die Schar der Aspiranten auf das Maillot Jaune war selten größer.

Bodyguards dabei

Der umstrittene Kapitän des mit geschätzten 30 Millionen Euro pro Saison üppig ausgestatteten Sky-Teams darf nach seinem Giro-Triumph weiter auf Rekordjagd gehen. Er peilt seinen fünften Toursieg und den vierten GrandTour-Erfolg in Serie an. „Ich mache Froome keinen Vorwurf. Er ist freigesprochen. Aber wie chaotisch der Fall gehandelt wurde, ist nicht das, was der Radsport braucht. Die Fans fliehen – aus diesem Grund“, sagte der in Italien vom Briten bezwungene Sunweb-Kapitän Dumoulin.

In Erinnerung an die unappetitliche Urin-Attacke eines Fans auf Froome im Jahr 2015 will er, so sagte er scherzhaft, in gebührendem Abstand fahren. Sky hat „besondere Vorkehrungen“ getroffen, um Froome zu schützen – wozu wie zu Armstrong-Zeiten auch Bodyguards gehören sollen.

Beim ersten öffentlichen Auftritt des Briten in Westfrankreich war von ihnen allerdings noch nichts zu sehen. dpa

Zum Thema