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Skispringen Geiger verliert in Innsbruck mächtig Punkte auf den neuen Tournee-Favoriten Stoch

„Der Dampf ist raus aus dem Kessel“

Archivartikel

Innsbruck.Der Bergisel hat wieder Schicksalsberg gespielt, auf seiner Skisprungschanze und in seinem kesselartigen Stadion auch der 69. Vierschanzentournee den einen oder anderen überraschenden Dreh gegeben. Es war ein Kessel Buntes, was am Sonntag hoch über Innsbruck geboten wurde: Freude bei den einen Springern, Frust bei den anderen. „Der Bergisel ist ab und zu einfach ‘ne blöde Sau“, kommentierte Markus Eisenbichler seinen sechsten Platz und den Absturz von Karl Geiger. Der schimpfte nach Rang 16. Dass erneut der Bergisel der Genickbruch für die deutschen Tourneehoffnungen sei, „da kriegt man einfach das Kotzen“. Bundestrainer Stefan Horngacher urteilte: „Der Dampf ist eigentlich raus aus dem Kessel.“ Denn Karl Geiger ist in der Tourneewertung auf Position vier abgerutscht, hat auf den nun führenden Tagessieger Kamil Stoch aus Polen 24,7 Punkte beziehungsweise knapp 14 Meter Rückstand.

„Das Ding ist so gut wie durch“, kommentierte Geiger Zähne knirschend den „Patzer“ mit nur 117 Metern im ersten Durchgang. „Ich könnte gerade überall reintreten; so kenne ich mich gar nicht.“ So kannte man auch Halvor Egner Granerud nicht: Der Norweger, am Samstag noch souveräner Sieger der Qualifikation, patzte ebenfalls heftig. Das hat auf der kleinsten Tournee-Schanze große Auswirkungen – große Rückstände lassen sich da nicht mehr kleinmachen. So eröffneten die zur Halbzeit der Vierschanzentournee Gesamtführenden als 30. (Geiger) und 29. (Granerud) den Finaldurchgang, in dem beiden etwas Schadensbegrenzung gelang – Granerud ist in der Gesamtwertung weiter minimal vor Geiger Dritter. Markus Eisenbichler („Wir haben beim ersten Durchgang von den Verhältnissen ins Klo gegriffen“) ist Fünfter, allerdings umgerechnet etwa weitere fünf Meter hinter Geiger. In den letzten beiden Sprüngen der Tournee ist für die beiden Deutschen nicht mehr alles möglich.

Probleme offensichtlich

Schon im Training und in der Qualifikation waren die Probleme aller sechs deutschen Adler offensichtlich. „Wir sind nicht so ins Springen gekommen, die Lockerheit hat gefehlt“, sagte Horngacher. „Vielleicht haben alle Angst gehabt vor dem Bergisel.“ So oder so sei der Tourneesieg nun in ganz weite Ferne gerückt. „Aber wir werden auf der Lauer liegen“, versprach der Bundestrainer vor dem großen Finale am Dreikönigstag in Bischofshofen, wo es nach dem Ruhetag am Dienstag mit der Qualifikation weitergeht. „Wir können einfach drauflos springen.“

Die deutschen Skispringer waren noch vor drei Wochen bei der Skiflug-WM mit jeweils einmal Gold, Silber und Bronze die Mannschaft der Stunde. In Innsbruck schafften es nur drei Deutsche in den zweiten Durchgang – Martin Hamann belegte Rang 13. Die Polen brachten gleich vier Springer in die Top sieben und haben im Wettkampf um den goldenen Adler zwei Eisen im Feuer: Kamil Stoch, der mit seinen Sätzen auf 127,5 und 130 Meter im Anflug auf seinen dritten Tourneesieg ist, und Dawid Kubacki, der in Innsbruck Dritter wurde.

Der Ex-Trainer der Polen verbeugte sich verbal: „Der Kamil hat gezeigt, wer Chef im Ring ist“, sagte Horngacher. „Er hat bisher keinen Fehler gemacht und in Innsbruck extrem gute Sprünge gezeigt. So kennt man ihn.“ Ja, König Kamil ist zurück. Seine Teamkollegen huldigten ihm nicht mit einer polnischen Polka, sondern einer polnischen La Ola. Stoch wiederum lobte seine „hervorragenden Teamkollegen“ und sagte zu den Abstürzen der Konkurrenten Granerud und Geiger: „Das tut mir leid. Mal hat man Pech, mal macht man auch Fehler – aber sie sind großartige Skispringer. Und ich wünsche ihnen für Bischofshofen nur das Beste. Ich bleibe aber auf mich fokussiert.“ Mit genau dieser Einstellung wird man Tourneesieger. Erst recht, wenn man aus dem Kessel Buntes am Bergisel als Tagessieger herausgekommen ist.

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