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Handball Nachdem mit Marian Michalczik der zweite Nationalspieler positiv getestet wurde, wackelt der Bundesliga-Terminkalender

Die Angst vor der Eskalation

Stuttgart.Der extrem unglücklich verlaufene Länderspieltrip der deutschen Nationalmannschaft lässt die Sorgen der Handball-Bundesliga (HBL) immer größer werden. Die positiven Corona-Tests der Nationalspieler Johannes Bitter (TVB Stuttgart) und Marian Michalczik (Füchse Berlin) bringen den engen Terminkalender früh in der Saison durcheinander.

Als Reaktion auf die Testergebnisse sagte die HBL vorsichtshalber erst das Mittwochspiel zwischen der SG Flensburg-Handewitt und der MT Melsungen ab, weil beide Clubs insgesamt sieben deutsche Nationalspieler – also Kontaktpersonen von Bitter und Michalczik – abgestellt hatten. Wenig später wurden auch die für Donnerstag angesetzten Partien THW Kiel gegen Füchse Berlin und TSV Hannover-Burgdorf gegen Frisch Auf Göppingen verlegt.

Alle Spiele sollen zwar nachgeholt werden. Doch die vorsorglichen Absagen stellen die Bundesliga vor zusätzliche Probleme. „Wir haben schon eine angespannte Lage, weil jeder Club um seine Existenz bangt. Diese Absagen jetzt sind ein zusätzlicher Schlag ins Kontor“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Mittwoch. „Drei Spiele kriegen wir schon noch nachgeholt. Aber wir müssen jetzt von Woche zu Woche schauen und hoffen, dass wir nicht noch mehr positive Fälle nach dieser Länderspielpause bekommen.“

Am Mittag hatten der Deutsche Handballbund und die Füchse Berlin mitgeteilt, dass nach Bitter auch Michalczik positiv getestet worden war. Beide Spieler befinden sich in häuslicher Isolation und zeigen keine Symptome. Während der vergangenen Länderspielwoche mit den EM-Qualifikationsspielen gegen Bosnien-Herzegowina und am Sonntag in Estland waren ihre regelmäßigen Tests noch negativ ausgefallen. Bitter bekam dann erstmals am Montag die Information über ein positives Ergebnis, am späten Dienstagabend folgte Michalczik. „Dass es uns jetzt als Liga getroffen hat, ist bitter“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Schon vorher hatten zahlreiche Clubs und Nationalspieler ihre Bedenken bezüglich der Länderspielreise geäußert. Trotzdem betonte Bitter auch nach seinem positiven Test, dass der DHB alles für den Schutz der Nationalspieler getan habe.

Keine Schuldzuweisungen

Auch von Seiten der anderen Bundesligisten gab es in einer Telefonkonferenz keine Vorwürfe in Richtung DHB. „Für mich besteht auch gar kein Anlass, dass jetzt irgendjemand vorprescht. Wir kriegen das nur gemeinsam gelöst“, sagte Hanning, der zugleich DHB-Vizepräsident ist. „Mit Schuldzuweisungen läuft es nicht.“

Die MT Melsungen äußerte Verständnis für die Absage ihres Spiels in Flensburg, obwohl die Nordhessen bereits vor Ort waren. Die nächsten Spieltage am Samstag und Sonntag sollen wie geplant stattfinden – auch wenn sich Bitter und Michalczik sowie die Kontaktpersonen der beiden bis dahin weiter in Quarantäne befinden. „Ich würde mir wünschen, dass wir keine weitere Eskalation der Corona-Situation bekommen“, sagte Bohmann.“ dpa

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